Anerkannte Flüchtlinge leben oft von Sozialhilfe
Die Kosten für anerkannte Flüchtlinge sind stark gestiegen. (Archiv Keystone)
Von Bundeshausredaktor Dominik Meier
In den ersten fünf Jahren nach dem positiven Asylentscheid haben weniger als 20 Prozent der anerkannten Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter eine Arbeit. Die überwiegende Mehrheit bezieht Sozialhilfe. Ruedi Hofstetter leitet das Sozialamt des Kantons Zürich und fordert: «Die Integration von anerkannten Flüchtlingen muss verbessert werden.»
Besonders schwierig ist die Situation ausgerechnet bei den Menschen, die am häufigsten Asyl erhalten: bei den Eritreern. 98 Prozent aller anerkannten Flüchtlinge aus dem ostafrikanischen Land erhalten in den ersten fünf Jahren Gelder aus der Sozialhilfe. Das sind heute gegen 6000 Menschen.
Kosten explodieren
Der Bund zahlt diese Sozialhilfe – und er zahlt immer mehr. Mit den Asylzahlen ist auch die Zahl der positiven Asylentscheide gestiegen. Das kürzlich veröffentlichte Budget zeigt, dass nächstes Jahr die Sozialhilfe für anerkannte Flüchtlinge und vorübergehend aufgenommene Menschen total 270 Millionen Franken kosten soll. Das ist vier Mal mehr als vor fünf Jahren.
Viele sind traumatisiert
Eritreer gehören zu den am schlechtesten gebildeten Flüchtlingsgruppen. Das sei das Haupthindernis bei der Stellensuche, sagt Beat Meiner, Generalsekretär der Flüchtlingshilfe. Hinzu komme, dass viele traumatisiert seien. Auch sonst sei für Flüchtlinge der Weg in die Arbeitswelt gepflastert mit Hindernissen, sagt Meiner: «Oft werden ihre Diplome und Berufserfahrungen nicht anerkannt. Aber es gibt auch andere Gründe: Die Asylverfahren dauern zu lange.»
Die Menschen befänden sich in einem Schwebezustand. Sie seien nicht in der Lage, sich zu intergrieren und die Sprache zu lernen. «Da verliert man sehr viel Zeit», sagt Meiner.
Breites Angebot vorhanden
Der Bund zahlt zusätzlich zur Sozialhilfe gegen 40 Millionen Franken pro Jahr für Integrationskurse und -programme für Flüchtlinge. Die Angebote enthalten Kurse für Analphabeten, Sprachkurse, Berufseinstiegsprogramme und Coachings.
Die Palette sei reichhaltig, sagt Ruedi Hofstetter, der Leiter des Zürcher Sozialamts: «Natürlich kann man die Intergration noch verbesserm. Letztendlich ist es aber der individuelle Entscheid eines Eritreers, sich anzustrengen und von dem vielfältigen Angebote Gebrauch zu machen», sagt Hofstetter.
Doch hier liege ein Problem, denn es fehle häufig die Motivation. Für viele Flüchtlinge sei es selbstverständlich, dass der Staat für sie sorge. Bei einigen gebe es eine Anspruchsmentalität, sagt Hofstetter. Jedoch sei eine solche Einstellung «sehr individuell».
Auf die zweite Generation konzentrieren
Die mangelnde Integration von Eritreern, die hier bleiben dürfen, kostet den Staat viel Geld und bereitet Experten Kopfzerbrechen. Adrian Gerber leitet die Abteilung Integration beim Bundesamt für Migration und sagt, es brauche einen Dialog mit möglichen Arbeitgebern, und man müsse die Eritreer dazu bewegen, Hilfsangebote auch zu nutzen.
«Wir werden in jedem Kanton regionale runde Tische einrichten, um Eritreer besser zu erreichen und zu informieren. Es geht nicht nur um den Arbeitsmarkt, sondern auch um die soziale Integration», so Gerber.
Im Zürcher Sozialamt macht sich Ruedi Hofstetter derweil keine Illusionen: Bei anerkannten Flüchtlingen aus Ostafrika sei es häufig am besten, sich voll auf die zweite Generation zu konzentrieren – damit wenigstens die Jungen später selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. (prus;luek)
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