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Freitag, 2.11.2012

Stürmische Zeiten für den Strom aus der Wüste

Strom aus Wind und Sonne direkt aus der Sahara: Aus dieser Idee wurde 2009 eine konkrete Vision – Desertec. Dass sich Industrieunternehmen dafür ohne staatliches Zutun zusammenfanden, ist bis heute beispiellos. Doch nun steigt Gründungspartner Siemens aus. Ist das Vorhaben gescheitert? 

Solaranlagen in Beni Mathar, Marokko: Die Projektpartner halten auch nach dem Ausstieg von Siemens an der Idee vom Strom aus der Wüste fest. (Reuters Archiv)

Von Wirtschaftsredaktor Tobias Fässler

Der Ausstieg von Siemens kam für alle überraschend - ausser für Siemens selber. In einer Stellungnahme des Konzerns heisst es: «Wie es für die auf drei Jahre angelegte erste Phase vorgesehen war, hat Siemens die Desertec Industrial Initiative (DII) mit technischer Expertise unterstützt. Unseren Beitrag haben wir geleistet, und die DII hat erfolgreich zur Wahrnehmung der erneuerbaren Energien in der Region des mittleren Ostens und Nord-Afrika beigetragen.» Arbeit erledigt - so also die Erklärung aus Deutschland.

Mit Siemens verlässt ein Gründungsmitglied das Desertec-Boot. DII-Sprecher Klaus Schmidtke will die Vision des Projekts deshalb aber trotzdem nicht in Frage stellen. Man bedaure den Entscheid von Siemens, erwarte jedoch keine negativen Auswirkungen. «Etwas Fluktuation im Laufe mehrerer Jahre ist in einem Verbund von 57 Unternehmen wahrscheinlich ganz normal», so Schmidtke. Er sagt dies auch, weil weitere Unternehmen Interesse zeigen an einer Kooperation.

Schweizer ABB bleibt an Bord
Der andere grosse Industriepartner, der Schweizer ABB-Konzern, hält an seinem Engagement bei Desertec fest. Die vielen verschiedenen Teilnehmer aus der Industrie hätten inhaltlich gut zusammengefunden, meint Jochen Kreusel, Leiter des Programms für intelligente Stromnetze bei ABB.

«Wir sind nach drei Jahren der Auffassung, dass es gut funktioniert», so Kreusel. Klar sei zudem von Anfang an gewesen, dass nicht alles innerhalb von drei Jahren erledigt sein würde. «Insofern ist es für uns natürlich, hier fortzufahren.»

Der Wind bläst in Afrika, wenn er in Europa gebraucht wird
Erste Erkenntnisse der gemeinsamen Arbeit: Das Windpotential in Nordafrika ist bedeutend grösser als bisher angenommen. Und: Der Wind ergänzt sich ausgezeichnet mit den europäischen Windverhältnissen. Das grundsätzliche Problem der erneuerbaren Energie – dass es ausgeprägte Jahres- und mitunter auch Tagesgänge gebe – würde damit gemildert, so ABB-Experte Kreusel.

Mit anderen Worten: In Afrika bläst in der Regel genau dann der Wind, wenn es in Europa windstill ist – und umgekehrt. «Das führt dazu, dass wir insgesamt weniger Leistung in erneuerbaren Energien und weniger konventionelle Ersatzkraftwerke installieren müssen», so Kreusel. Das führt zu tieferen Investitionen.

Der aktuelle Preiszerfall bei Solarmodulen und auch bei den Windturbinen machen erneuerbaren Strom aus der Wüste gegenüber fossiler und nuklearer Stromerzeugung zudem immer konkurrenzfähiger.

Noch viel Überzeugunsarbeit nötig
So bleibt der grösste Stolperstein für die Vision Desertec wohl nicht die technologische Umsetzbarkeit, sondern jene auf politischer Ebene. Denn: Es braucht noch viel Überzeugungsarbeit für ein gemeinsames Stromnetz und einen gemeinsamen Strommarkt Europas mit Nordafrika. (krua;bru)

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Wie weiter nach dem Siemens-Ausstieg? (Tobias Fässler, 2.11.2012)
Hören (2:50)

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