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  • Anschlag auf Christen in Nigeria:

Freitag, 9.3.2012

Rom über missglückte Geiselbefreiung empört

Ohne Absprache mit Rom haben Einsatzkräfte in Nigeria versucht, einen Italiener und einen Briten aus den Händen von Islamisten zu befreien. Doch die Kidnapper ermordeten die Entführten. Italien reagierte empört auf die von London mitgetragene Aktion.

Einschusslöcher zeugen von der Befreiungsaktion. (Keystone)

Missglückte Befreiungsaktion mit tödlichen Folgen: Islamisten haben in Nigeria zwei europäische Geiseln getötet, nachdem das nigerianische Militär zusammen mit Einsatzkräften aus Grossbritannien versucht hatte, die Männer aus der Gewalt ihrer Entführer zu befreien.

Bei der Aktion kamen ein Italiener und ein Brite ums Leben. Die italienische Regierung reagierte verärgert. Die Aktion habe stattgefunden, ohne dass Rom vorher über die Pläne informiert gewesen sei, kritisierte Ministerpräsident Mario Monti. In einer Mitteilung hiess es, die italienischen Behörden hätten die Entwicklungen seit der Entführung der Männer vor zehn Monaten stets «in enger Zusammenarbeit» mit den britischen Kollegen verfolgt.

Der Befreiungsversuch sei aber am Donnerstag von Grossbritannien und Nigeria ganz plötzlich gestartet worden. Italien sei erst benachrichtigt worden, «als die Operation schon im Gange war». Monti rief die Sicherheitskräfte seines Landes zu einem Treffen zusammen.

Napolitano fordert Erklärung
Präsident Giorgio Napolitano nannte es «unerklärlich», dass London Rom nicht über den Befreiungsversuch informiert oder sich mit der Regierung beraten habe. Der Einsatz von Gewalt bedürfe einer Erklärung auf politischer und diplomatischer Ebene, sagte Napolitano gemäss der Nachrichtenagentur Ansa.

Cameron: Günstige Gelegenheit
Der britische Premier David Cameron erklärte, es habe den Anschein gehabt, dass sich eine günstige Gelegenheit für eine Befreiungsaktion biete. Der Befreiungsschlag fand im Bundesstaat Sokoto im Nordwesten Nigerias statt. Die Geiseln waren nach Angaben der nigerianischen Regierung von der radikal-islamischen Sekte Boko Haram festgehalten worden.

Die nigerianische Zeitung «Daily Trust» berichtete, es sei den Behörden gelungen, an Informationen über deren Aufenthaltsort zu kommen. Zuvor seien am Dienstag mehrere Boko-Haram-Mitglieder festgenommen worden. Der Polizei habe anschliessend die Inhaftierten bei Verhören zum Reden gebracht.

Geiselnehmer in Haft
Beim Befreiungsversuch konnten die Einsatzkräfte die Kidnapper zwar fassen. Der Brite und der Italiener waren jedoch gemäss Cameron bereits vorher von ihren Entführern ermordet worden.

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan sprach in einer Mitteilung von einem «traurigen, unglücklichen und bedauernswerten» Vorfall. Die Täter müssten sich vor Gericht verantworten.

Die beiden Männer, die für eine italienische Baufirma in Nigeria gearbeitet hatten, waren am 12. Mai 2011 im Norden Nigerias gekidnappt worden. (luek;bru, sda/dapd/dpa/apa/reuters)

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