«Jetzt ziehen alle an einem Strang»
Tresorraum und Schliessfächer einer Bank: Für private Steuerhinterzieher aus dem Ausland sind die Zeiten ungemütlich. (Keystone)
Zwei Jahre nach der Weissgeld-Offensive der OECD hat sich einiges getan. Zahlreiche Staaten, die damals auf graue oder schwarze Listen für Steueroasen eingruppiert wurden, haben ihre Standards inzwischen angepasst - so auch die Schweiz.
«Einzelne Länder kommen gegen USA und EU nicht an»
Für Privatleute sei es seither viel schwieriger geworden, Schwarzgeld unterzubringen, sagte Hans-Lothar Merten gegenüber Schweizer Radio DRS. Der Autor und Experte für Steuern und Finanzen glaubt, dass der Druck, gegen private ausländische Steuerhinterzieher vorzugehen, in Zukunft noch wachsen werde. «Einzelne Länder wie die Schweiz kommen gegen die Macht aus den USA und der EU nicht mehr an», so Merten.
Das strengere Vorgehen gegen Steuerhinterzieher gehe zurück auf die Lehman-Pleite und die exorbitante Verschuldung einzelner Länder, sagte Merten. «Jedes Land muss heute sehen, wie es an Geld kommt.» Schon früher habe es Versuche gegeben, Steueroasen trocken zu legen. Letztlich seien diese aber gescheitert, weil es immer Länder gab, die nicht mitgemacht hätten. «Jetzt ziehen alle an einem Strang - gegen die bösen Steueroasen», so Merten. Im Moment treffe dieses Vorgehen vor allem privates Schwarzgeld. Für Unternehmen gebe es hingegen nach wie vor Konstruktionen, mit denen der Fiskus umgangen werden könne.
«Die Europäer haben gut zugeschaut»
Merten sagt voraus, dass nach dem offensiven Vorgehen der US-Steuerbehörden gegen Schweizer Banken auch der Druck aus anderen Ländern wachsen wird. «Die Europäer haben sich sicherlich gut angeschaut, was die Amerikaner da machen», so der Experte.
Er gehe zwar davon aus, dass etwa das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland - es ist seit einiger Zeit auf der Zielgeraden, aber vor allem in Deutschland sehr umstritten - zustande kommen werde. Das Abkommen sieht eine Abgeltungssteuer für Schwarzgeld vor. Merten geht jedoch davon aus, dass nach dem Abschluss des Abkommens der Druck für den so genannten automatischen Informationsaustausch dennoch wachsen werde. «Das wird kommen.» (ank)
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