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  • Die USA haben gewählt:

«Swing States» spielen zentrale Rolle

Über 90 Prozent der Wähler in den USA haben sich schon für einen der beiden Präsidentschaftskandidaten entschieden. Für die Wahlkämpfer sind die so genannten «Swing States», die Staaten ohne eindeutige Mehrheit, umso interessanter. Dort könnte die Wahl entscheiden werden.

Es sind astronomisch anmutende Summen, die den US-Präsidentschaftskandidaten in ihren Wahlkämpfen zur Verfügung stehen. Doch trotz dreistelliger Millionenbeträge müssen die Wahlkampfmanager von Demokraten und Republikanern sehr genau überlegen, wo sie welche Anzeigen schalten und Sendezeiten für Fernsehspots buchen.

Denn tatsächlich ist die Zahl der Unentschlossenen relativ gering. Das «Wall Street Journal» zitierte dieser Tage einen Wahlkampfmanager mit der Einschätzung, dass die Zahl der Wähler, die noch nicht wissen, wo sie ihr Kreuz machen werden, zwischen sechs und zehn Prozent liege.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass mehr als 90 Prozent der Wähler ihren Kandidaten bereits gefunden haben. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den sogenannten «Swing States» zu. Jenen US-Staaten also, die Umfrageergebnissen zufolge noch keine eindeutige Mehrheit für einen bestimmten Kandidaten erwarten lassen.

«Swing States» als Schlachtfelder
Drei Gruppen dieser auch «Battlegrounds» (Schlachtfelder) genannten Staaten gelte es dabei zu unterscheiden, sagt Jens Borchert, Professor für politische Soziologie an der Frankfurter Goethe-Universität.

Zur ersten Gruppe gehörten demnach jene altindustriell geprägten Staaten im Mittleren Westen wie etwa Ohio, die aber durchaus auch einen ländlichen Charakter hätten. Zur zweiten Gruppe zählt Borchert Virginia und North Carolina, Staaten mit einem hohen Bevölkerungsanteil von Schwarzen, «die für die Demokraten abstimmen, aber nicht immer wählen gehen».

Zur dritten und jüngsten Gruppe gehörten dann Staaten im Südwesten, wie Colorado, New Mexico und Arizona, in denen das Thema Einwanderung nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels ein immer stärkeres Thema darstelle.

Unterschiedlichste Wählergruppen
Von besonderem Interesse sind für die Wahlkämpfer dabei vor allem jene «Swing States», die die meisten Wahlmänner haben. Denn die US-Wähler votieren nicht direkt für einen Präsidentschaftskandidaten, sondern wählen sogenannte Wahlmänner, die dann ihrerseits über den Präsidenten und Vizepräsidenten abstimmen.

Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner. Jedem Bundesstaat steht dabei eine gewisse Anzahl an Wahlmännern zu. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf Ohio mit 18 Wahlmännern, oder Florida mit 29.

«Ohio bildet einen Mikrokosmos der USA ab», sagt der Johannes Thimm, Mitglied der Forschungsgruppe Amerika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Neben einer industriellen und landwirtschaftlichen Struktur, beinhalte das Profil des Staates auch eine städtische.

Ganz anders wiederum ist die Situation in Florida, wo die Kandidaten die Interessen der zumeist schon im Rentenalter befindlichen Klientel zu berücksichtigen haben. Hinzu kommt die Gruppe der Latinos sowie der Exilkubaner, aber «auch der Anteil der jüdischen Wähler spielt in Florida eine grosse Rolle», sagt Borchert von der Frankfurter Goethe-Universität.

Eigene Basis mobilisieren
«Die Wahlen hängen von zwei Faktoren ab: Die Mitte zu gewinnen und die eigene Basis zu mobilisieren», sagt Johannes Thimm. Hierzu haben die Parteien gezielte Kampagnen initiiert, bestehend unter anderem aus Hausbesuchen, Anrufen sowie der Ansprache per E-Mail.

Wenn es darum gehe, gezielt bestimmte Wählerschichten anzusprechen, könne sich vor allem Amtsinhaber Barack Obama auf eine schlagkräftige Organisation stützen, sagt Thimm. «Das ist das Intelligenteste, was wir je hatten.»

Denn um die Wahlmänner eines Staates zu gewinnen, könne es am Ende entscheidend sein, ob man fünf oder zehn Prozent mehr der eigenen Wählerschaft mobilisiert, an die Urne zu gehen, oder eben nicht, sagt Jens Borchert. «Das ist ein Mobilisierungswahlkampf.»

Zunehmend polarisiert
Der Mobilisierungswettkampf wird auch vor dem Hintergrund geführt, dass die USA ein zunehmend polarisiertes Land sind. Eine Entwicklung, die nach Ansicht Borcherts bis in die Ära Ronald Reagans zurückreicht. «Ideologisch sind beide Parteien weiter auseinander als vor 20 oder 30 Jahren.»

Seien Demokraten und Republikaner einst in sich deutlich heterogenere Parteien gewesen, so seien sie nun im Inneren näher zusammengerückt, während «der politische Gegner als Feind wahrgenommen wird».

Christliche Rechte und Liberale vereinigt
Begonnen habe diese Einigung aufseiten der Konservativen bereits unter dem früheren Präsidenten Reagan, der die christliche Rechte und Wirtschaftsliberale sowie deren politische Vorstellungen zusammengebracht habe.

Während die religiöse Rechte mittlerweile auch für Steuersenkungen eintrete, unterstützten Wirtschaftsliberale umgekehrt deren Anliegen, wie die Ablehnung der Schwulenehe oder von Abtreibungen, sagt Borchert. «Obama ist nur möglich gewesen, weil die Republikaner so weit nach rechts gerückt sind.» (nab, sda)

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