EPIC SAX GUYGAME & DAS GROSSE SAXOPHON-DOSSIER
Mach süsse Liebe mit deinem Instrument!
So geht's: Oberkörper freimachen, einölen, sich im Gegenlicht in den Wind stellen und von gefühlvollen Hüftstössen begleitet ins Saxophon blasen. Hier in Tina Turners «One Of The Living».
«Epic Sax Game» ist ein albernes kleines Web-Spielchen mit einem «Guitar Hero»-ähnlichen Prinzip: Wir drücken auf die Tasten 1-6 und versuchen, möglichst exakt eine Melodie nachzuspielen. Die Spielfigur ist ein Saxophonist, der seinen Weg vom Übungskeller bis an den Eurovision Song Contest macht.
Das Spiel stammt von Pippin Bar, der an der Universität Kopenhagen angehende Game-Designer unterrichtet. Und im Blog-Eintrag «Meaningful Sax» wird er einem akademischen Anspruch durchaus gerecht. Doch die eigentliche Inspiration des Spiels ist das tiefe Internet. Und die Moldau.
Am Eurovision Song Contest 2010 trat Moldawien nämlich mit einer Truppe an, die sich «Sunstroke Project & Olia Tira» nannte und mit ihrem Song «Run Away» immerhin das Finale erreichte. Dort gelang es der knallfarbigen Blödel-Stampfdisco-Nummer allerdings lediglich, Rumänien zu bewegen, eine Zehn zu vergeben - ein paar weiteren Pünktchen kamen dazu und «Run Away» landete schliesslich hinter Albanien auf Platz 18.
Was normalerweise eine Fussnote für Concours-Afficionados geblieben wäre, geriet nun aber ins helle Scheinwerferlicht des Spass-Internets. Dank Serghei Stepanov, dem Saxophonisten der Combo. Er mimte mit weisser Sonnenbrille und Weste in blauen Plastikhosen den 80er-Jahre-Sax-Man, inklusive suggestiver Hüftstösse im Rammelhasen-Tempo.
Das Internet amüsierte sich sehr darüber und stürzte sich mit Schwung auf den Song. Es entstanden Remix-Videos und animierte Gifs, der «Epic Sax Guy» wurde zu einem Meme. Das englischsprachige Portal Moldova.org liess uns wissen, das Serghei «Epic Sax Guy» Stepanov in Europa bekannter sei als in seinem eigenen Land, dass er Ping Pong spiele und Angst vor Zahnärzten habe.
Aus «Epic Sax Guy» wird nun «Epic Sax Game». Wir haben die Möglichkeit, in älteliger C64-Optik den Eurovision- und Internet-Triumph des Serghei Stepanov nachzuleben. Schön!
Stepanov kann sich auf eine reiche Tradition anzüglicher Saxophonisten beziehen. Der Urvater ist wohl Tim Capello, der mit nacktem, eingeöltem Bodybuilder-Oberkörper das Solo zu Tina Turners «We don't need another hero» blies. Und mit langen, tiefen Hüftstössen den Begriff «Sexophon» sehr wörtlich interpretierte.
Ohnehin waren die 80er-Jahre die goldene Zeit des gepressten, überblasenen Tenorsaxophons, des schwülstigen Powerballaden-Solos. Immer im Gegenlicht, immer im Gegenwind, immer mit durchgedrückten Hüften nach oben geblasen - die schönsten Beispiele findet ihr in den Videos unten.
Resident Hipster Jürg Tschirren meint, das Saxophon komme also wieder zurück und weist auf die kanadischen Indie-Popper «Destroyer» hin. Ich will nicht, dass das zurück kommt.
Epic Sax Game (Pippin Bar)
Meaningful Sax (inininoutoutout, Pippin Barr Blog)
Epic Sax Guy (Know Your Meme)
Everything you wanted to know about Epic Sax Guy! (Moldova.org)
Tim Cappello (Wikipedia)
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