• Programm
  • Nachrichten
  • Über uns
  • SRF Shop
  • Blogs
  • Meine Meinung
  • Podcasts
  • Spiele
  • Themen
  • A
  • A
  • A
  • Radio ein
  • Empfang
  • Hilfe
  • Kontakt
  • Home
  • Dossiers zu «Digital»
    • 30 Jahre C=64: Als die PC-Revolution begann
    • Ratgeber: Die digitalen Spuren nach dem Tod
    • CeBIT 2012: The Internet of Things
    • Wie das Internet das Fernsehen verändert
    • Facebook: Tipps, Geschichten, und ein Selbstversuch
    • Alle Dossiers
  • Programme
    • SR DRS
    • DRS 1
    • DRS 2
    • DRS 3
    • DRS 4 News
    • DRS Musikwelle
    • DRS Virus
    • Radio Swiss Classic
    • Radio Swiss Jazz
    • Radio Swiss Pop

Sie befinden sich auf einer archivierten Webseite von Schweizer Radio DRS.
Den aktuellen Webauftritt von Schweizer Radio und Fernsehen finden Sie auf www.srf.ch

  • Digital:

Donnerstag, 19.4.2012

KONY 2012: Grosserfolg mit evangelikalem Hintergrund

100 Millionen haben «KONY 2012» gesehen, das Video über Joseph Kony, den Anführer der Lord's Resistance Army (LRA), der vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird. Der Druck der Weltöffentlichkeit soll helfen, Kony zur Strecke bringen - doch das Video ist höchst umstritten.

Das Logo der Organisation «Invisible Children»

Joseph Kony wird vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht, ihm wird vorgeworfen, für 2'600 zivile Tote verantwortlich zu sein, 66'000 Kinder entführt und zu Kindersoldaten gemacht und zwei Millionen Menschen zur Flucht getrieben zu haben.

Die Verbreitung des Videos «KONY 2012» (auf Youtube und Vimeo) ist einmalig. Noch kein virales Video zuvor hat so schnell 100 Millionen Views erreicht: in nur 6 Tagen. Aktuell hat die Youtube-Version 88 Millionen Views, auf Vimeo sind es 18 Millionen. Nach dem Rummel der ersten Woche kamen also «nur» noch 8 Millionen weitere Views dazu. Auch das zweite Video («KONY 2012: Part II - Beyond Famous») stiess mit 1.8 Millionen Views nicht auf ein vergleichbares Echo.

Oprah Winfrey und P. Diddy twitterten
Ungeachtet dieses Abebbens ist die Verbreitung beeindruckend: Die Organisation hinter dem Video, «Invisible Children», nutzte zunächst ihre eigenen Freiwilligen und Sympathisanten, um einen ersten Anfangsschwung zu erzeugen. Dann sprangen die grossen Meinungsmacher der amerikanischen Twitter-Sphere auf: Oprah Winfrey, Justin Bieber oder P. Diddy twitterten über das Video, zum Teil mehrfach. Sie erreichen mit einem Retweet auf einen Schlag Millionen Follower (@Oprah: 11 Millionen, @justinbieber: 21 Millionen, @iamdiddy: 5 Millionen).

Diese Unterstützung war kein Zufall: Die Liste der Personen mit einer solchen potentiellen Reichweite ist bekannt und klein; «Invisible Children» forderte ihre Unterstützer auf, gezielt Prominente auf Twitter anzuschreiben.

Kampagne zielt auf Jugendliche
Das Video wurde überdurchschnittlich oft auf mobilen Geräten geschaut, die grösste Altersgruppe sind Mädchen zwischen 13 und 17. Die Kampagne wurde also vor allem von Jugendlichen gesehen - viele Ältere haben von ihren Kindern davon erfahren.

Kony Social Video Campaign Tops 100 Million Views (Visible Measures Blog)

Kony 2012: A Month Later in Social Video (Visible Measures Blog)

KONY2012: See How Invisible Networks Helped a Campaign Capture the World's Attention (Social Flow)

Bemerkenswert ist ausserdem, dass die Verbreitung im konservativen geographischen Zentrum der USA begann. Also nicht in den liberalen Küsten-Staaten, wie man angesichts der Occupy-Bewegung vielleicht angenommen hätte. Dieses Netzwerk eher konservativer und christlicher Jugendlicher baut «Invisible Children» seit der Gründung 2004 gezielt auf: Mit Internet-Filmen, «Summer Camps» und Tourneen an Schulen.

Auch der halbstündige Film selbst ist auf Jugendliche zugeschnitten. Er lässt komplizierte Details weg, vereinfacht, personalisiert konsequent (sowohl den «Bösewicht» Kony als auch die «Guten», Regisseur/Protagonist Jason Russell und dessen Sohn). Er spricht gezielt die Emotionen weisser, junger College-Kids an, die sich noch nie zuvor mit den Problemen Afrikas auseinandergesetzt haben.

Ziel: Kony verhaften
Die Kampagne setzt sich zwei Ziele: Das erste («Make Kony famous») hat sie zweifelsfrei erreicht. Das zweite ist eine militärische Aktion, um Kony zu verhaften. Um das Erreichen dieses Ziels zu beurteilen, ist es natürlich noch zu früh - erhebliche Zweifel an der Realisierbarkeit sind dennoch angebracht.

Die Afrikanische Union (AU) hat am 23. März zwar auf Kampagne reagiert und angekündigt, eine internationale Truppe loszuschicken, um Kony zu finden und zu verhaften. 5000 Soldaten sollen von Uganda, dem Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik und dem Kongo gestellt werden.

Wo ist Kony?
Allerdings weiss niemand, wo Kony genau steckt. Er versteckt sich mit seiner LRA in einem Gebiet, das sich auf mehrere Staaten verteilt und etwa so gross ist wie Grossbritannien. Einige hundert Mitglieder soll die LRA noch haben. Die sind aber nicht alle an einem Ort versammelt, sondern operieren in kleinen Teams aus einer Handvoll Mann - könnten also sehr wohl über das ganze Gebiet verteilt sein.

Wie die AU-Truppe diese versprengten Grüppchen finden soll, die seit Jahrzehnten nichts anderes tun, als sich im Regenwald zu verstecken, ist unklar.

Wenig Unterstützung für militärische Aktion
Dazu lehnen unzählige Stimmen aus Uganda und anderen afrikanischen Staaten (ein Beispiel hier, eine Zusammenstellung hier) eine militärische Aktion ab; ebenso die Verantwortliche der Vereinten Nationen für Kinder in Konflikten.

Ausserdem hat die AU mit dem drohenden Grenzkrieg im Sudan, dem möglichen Zerfall von Mali, dem anhaltenden Konflikt in Somalia oder den Umwälzungen im Nahen Osten bereits alle Hände voll zu tun. Schon jetzt wird angedeutet, dass unklar ist, wer die vollmundig angekündigte Operation finanzieren soll. Die Lust auf ein militärisches Abenteuer im Regenwald Zentralafrikas könnte sehr schnell verfliegen.

Evangelikaler Hintergrund
Doch auch wenn das zweite Ziel der Kampagne verfehlt werden sollte: Dass Kony plötzlich in aller Munde ist, ist eine Leistung, die Respekt verdient. Es stellt sich deshalb die Frage, wer denn diese Organisation «Invisible Children» ist. Und hier tauchen unangenehme Fragezeichen auf.

Die Organisation «Truth Wins Out», die sich für Rechte von Homosexuellen einsetzt, und das Blog «Talk To Action», das die religiöse Rechte in den USA beobachtet, haben Verbindungen von «Invisible Children» zu rechtskonservativen, evangelikalen Kreisen aufgedeckt.

«Invisible Children» soll gemäss dieser Quellen von evangelikalen Organisationen Spenden erhalten haben; sie arbeite in Uganda mit der Organisation «Cornerstone Development» zusammen, die streng christliche Schulen baut; Jason Russell bezeichnet sich selber als evangelikal und stammt aus einer christlichen Familie; auch andere Kadermitglieder von «Invisible Children» haben Beziehungen zu christlichen Organisationen oder Personen (siehe Quellen unten). Es gibt verschiedene Verbindungen zu der evangelikalen Organisation «The Family».

Verbindungen zur religiösen Rechten
«Invisible Children» ist eine kleine Hilfsorganisation (im letzten Jahr lediglich $4.6 Millionen Spenden-Einnahmen) und könnte bei Geldgebern nicht allzu wählerisch sein. Doch «Invisible Children» liess sich nicht nur von rechtskonservativen Gruppen finanzieren; sondern hat auch aktiv die Unterstützung einer streng christlichen Netzwerk-Organisation gesucht, der «Barnabas Group».

KONY 2012, Invisible Children, and the Religious Right: The Evidence (Talk To Action)

Invisible Children Nonprofit Extensively Tied To "The Family" (Talk To Action)

Invisible Children and the Barnabas Group (Truth Wins Out)

Invisible Children Funded By Antigay, Creationist Christian Right (AlterNet)

Natürlich gibt es viele Hilfsorganisationen mit religiösem Hintergrund. Doch diese Verbindungen gehen über privaten Glauben hinaus. Organisationen wie «The Family» oder die «Barnabas Group» vertreten «Intelligent Design» und Positionen, die sich gegen Homosexuelle und Verhütungsmittel richten.

Ein trojanisches Pferd
Das hat in Uganda eine besondere Brisanz, da das Land seit 2009 Homosexualität unter Strafe stellt. Der ugandische Abgeordnete David Bahati, der das Gesetz eingebracht hat, gilt als Mitglied der «Family». Er strebt in diesem Jahr eine Verschärfung des Gesetzes an und will neben lebenslänglicher Haft auch die Todesstrafe für Homosexuelle einführen.

Aufgrund dieser Verbindungen werden nun die Beweggründe von «Invisible Children» in Frage gestellt. Die Aktivisten von haben eine Tonaufnahme veröffentlicht, auf der Jason Russell zu hören sei. An einer Konferenz 2005 bezeichne laut «Talk To Action» er seine Organisation als ein «trojanisches Pferd», das den Zweck habe, Jugendliche zu evangelisieren.

Das mag bloss eine unglückliche Formulierung sein. Doch es nährt Theorien, dass es «Invisible Children» nicht in erster Linie um die Verhaftung Joseph Konys geht, sondern um etwas, was die Aktivisten von «Talk To Action» als «stealth evangelism» bezeichnen.

Guido Berger

Beitrag weiterempfehlen Facebook Share / Facebook Like Twitter Google+ Email
  • …auf Facebook kommentieren.
    Facebook
  • …auf Twitter kommentieren.
    Twitter
  • …per E-Mail versenden.
    E-Mail
  • …auf Facebook empfehlen.
    Facebook Recommend
  • …auf Google+ kommentieren.
    Google +1

Mehr zum Stichwort:

  • Digital

Schnellsuche:
  • AGB
  • Datenschutz
  • Webmaster
  • Impressum
Schweizer Radio und Fernsehen
  • SRF
  • RTS
  • RSI
  • RTR
  • swissinfo
  • 3SAT
SRF Schweizer Radio und Fernsehen, Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft