Ansturm auf die Wahllokale in Tunesien
Die vorläufigen Endergebnisse der ersten freien Wahlen in Tunis werden für Dienstag erwartet. (Keystone)
Bei der ersten freien Wahl in Tunesien seit dem Sturz von Machthaber Zine el Abidine Ben Ali hat die Beteiligung alle Erwartungen übertroffen. Nach Angaben der Wahlbehörden haben mehr als 90 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben. Vor den Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Mancherorts blieben sie sogar länger geöffnet, damit alle ihre Stimme abgeben konnten. Das amtliche Endergebnis wird am Dienstag erwartet.
Zu der Wahl waren 4,1 Millionen eingetragene Wähler und 3,1 Millionen weitere Wahlberechtigte aufgerufen. Um die 217 Mandate in der verfassungsgebenden Versammlung bewarben sich mehr als 11'000 Kandidaten auf rund 1500 Listen.
Wahl des Staatschefs
Die Abgeordneten sollen eine neue Verfassung ausarbeiten und einen neuen Staatschef wählen, der dann den Chef einer Übergangsregierung ernennen soll. Als Favoritin ging die islamistische Ennahda-Partei in die Wahl. Sie war unter Ben Ali verboten und ist in der Bevölkerung stark umstritten. Vor allem liberale Frauen fürchten eine Machtübernahme der Islamisten. Übergangspräsident Foued Mebazaa kündigte in der arabischsprachigen Zeitung «Assabah» an, sich nach der Wahl endgültig aus der Politik zurückziehen zu wollen.
Überwacht wurde der Urnengang von 40'000 Sicherheitskräften und 13'000 Wahlbeobachtern. Nach Angaben der Behörden gab es einige kleinere Unregelmässigkeiten, die den Ausgang der Abstimmung jedoch nur «minimal» beeinflussen könnten.
Bewährungsprobe für den arabischen Raum
Sowohl in Tunesien als auch im Ausland wurde die Abstimmung als wichtige Bewährungsprobe für die Revolutionsbewegung in der ganzen arabischen Welt gewertet. Im Januar hatten die Tunesier als erstes Volk in der Region erfolgreich gegen die autoritäre Herrschaft ihrer Führung rebelliert. Da seitdem auch die Ägypter und Libyer ihre Langzeitherrscher stürzten, gilt Tunesien als Mutterland des «arabischen Frühlings». (ank/bat, sda/afp/dpa)
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