Los Angeles: Aufruf zur Einheit der Ethnien
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger riefen in Los Angeles zur Einheit der Ethnien auf: «Verschiedenheit ist eine Quelle von Stärke.» (Keystone)
30. April 1992: «Bürgerkrieg» in Los Angeles
«Wir versprechen, dass unsere Kinder verstehen werden, dass Verschiedenheit in unserer Gemeinde eine Stärke und eine Quelle von Stolz ist, nicht ein Grund für Hass und Spaltung», hiess es in einer anlässlich des Jahrestages veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme mehrerer Organisationen und der Polizei von Los Angeles.
Bei den schwersten Rassenunruhen in den USA seit den 1960er Jahren waren im Frühjahr 1992 in der US-Westküstenstadt 53 Menschen getötet und tausende verletzt worden. Auslöser für die Krawalle war der Freispruch mehrerer weisser Polizisten am 29. April 1992, die ein Jahr zuvor den Schwarzen Rodney King brutal zusammengeschlagen hatten.
Ein Mann hatte den Vorfall gefilmt, die Aufnahmen gingen um die Welt. Hunderttausende wütende Bürger gingen nach dem Freispruch in Los Angeles auf die Strasse. Die Polizei bekam die Krawalle nicht in den Griff, erst am vierten Tag kehrte durch das Eingreifen der Nationalgarde Ruhe ein.
Öffentliche Debatten in der Stadt
Am Sonntag kamen etwa 150 überwiegend schwarze Bürger an einer Strassenkreuzung, dem Zentrum der Proteste, zu einer «Aussprache» zusammen. «Wir fühlten uns angegriffen», sagte der Bürgerrechtler Morris Griffin. «Die Lage hat sich in manchen Situationen und Bereichen verbessert, aber wir wollen Jobs», fügte er hinzu.
Zahlreiche weitere Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Meinung zu sagen. Örtliche Medien veranstalteten Diskussionsrunden über die Lehren aus den Ereignissen, ausserdem gab es Gottesdienste sowie eine Veranstaltung mit dem Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa.
King veröffentlicht Autobiographie
Das damals 26-jährige Opfer Rodney King veröffentlichte anlässlich des Jahrestages seine Autobiographie. Seit den Ereignissen vor 20 Jahren kämpft King gegen Drogensucht und verstiess mehrmals gegen Gesetze.
Rassismus sei noch immer ein Problem, sagte er am Sonntag. «Es wird immer eine gewisse Art von Rassismus geben.» Die Menschen müssten aber «zurückschauen und sehen, was wir bislang erreicht haben».
In den USA hatte der Fall des 17-jährigen Trayvon Martin, der Ende Februar durch ein Bürgerwehr-Mitglied in Florida erschossen wurde, die Debatte um Rassismus bei Polizei und Justiz erst kürzlich wieder angefacht. (bat;pet, sda)
