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Freitag, 11.5.2012

Kein islamistischer Erdrutsch in Algerien

Algeriens regierende FLN von Präsident Bouteflika hat die Wahlen klar gewonnen. Die absolute Mehrheit erreichte sie jedoch nicht. Die Islamisten erlitten einen Rückschlag.

Algerische Frauen bereiten das Auszählen der Stimmen vor. (Keystone)

Die algerischen Islamisten haben ihren erhofften erdrutschartigen Sieg bei der Parlamentswahl in Algerien verfehlt. Die aus drei Parteien bestehende Allianz «Grünes Algerien» wurde mit 48 Sitzen drittstärkste Kraft. Mit Abstand stärkste Partei wurde wieder die FLN des Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Das teilte das algerische Innenministerium mit.

Die seit der Unabhängigkeit vor 50 Jahren regierende FLN verfehlte mit 220 Sitzen jedoch die absolute Mehrheit in der 462 Sitze umfassenden Volksvertretung. Zweitstärkste Partei wurde die RND (Demokratische Nationale Sammlung, Rassemblement national démocratique) von Ministerpräsident Ahmed Ouyahia mit 68 Sitzen. Er hatte die Wahl am Donnerstag als wichtige Etappe der Demokratie in Algerien bezeichnet.

145 Frauen gewählt
Die seit 1963 - zunächst illegal - existierende FFS (Front der sozialistischen Kräfte, Front des Forces Socialistes) kam ebenso wie die Arbeiterpartei auf 21 Sitze. Der Rest ging an unabhängige Kandidaten.

Insgesamt 145 der gewählten Abgeordneten sind Frauen. 68 davon gehören der FLN an, 23 der RND sowie 48 dem Islamistenbündnis. Die Ergebnisse sind noch vorläufig, da sie noch vom Verfassungsrat gebilligt werden müssen.

Beteiligung «aussergewöhnlich».
Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 42,36 Prozent und damit deutlich höher als vor fünf Jahren (36,6 Prozent). «Mit dieser aussergewöhnlichen Beteiligung hat das algerische Volk eine grosse Herausforderung gemeistert», sagte Innenministerminister Dahou Ould Kablia. Die politische Macht des Parlaments ist allerdings beschränkt.

Relativ ruhige Wahlen
Es war der erste demokratische Urnengang seit Aufhebung des langjährigen Ausnahmezustands vor 15 Monaten. Die Abstimmung im flächenmässig grössten Land Afrikas verlief trotz vereinzelter Zwischenfälle relativ ungestört.

Rund 500 internationale Beobachter - von der Europäischen und Afrikanischen Union bis hin zur Arabischen Liga - hatten sie überwacht. Wahlberechtigt waren 21 Millionen der 39 Millionen Algerier. (luek, dpa)

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