Erstmals Materiallager der Piraten beschossen
Seit dreieinhalb Jahren versuchen Kriegsschiffe der EU-Staaten, vor der somalischen Küsten Piratenangriffe auf Handelsschiffe zu verhindern. (Keystone Archiv)
Nach zunehmenden Überfällen somalischer Piraten auf Handelsschiffe und Jachten vor dem Horn von Afrika beschloss die EU im November 2008 den Marineeinsatz Atalanta. Beteiligt sind Grossbritannien, Griechenland, Frankreich, Deutschland, Spanien, Polen und Italien.
Seither kreuzen Schiffe und Aufklärungsflugzeuge in der Region. Auf der Grundlage eines Uno-Mandats sollen die europäischen Kriegsschiffe sicherstellen, dass Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms (WFP) nach Somalia durchkommen und Handelsschiffe nicht länger von den gut ausgerüsteten Piraten angegriffen werden.
Der Angriff der EU-Kräfte richtete sich gegen Logistik der Piraten, wie das Hauptquartier für die Atalanta-Mission mitteilte. Der Beschuss sei von einem Helikopter aus erfolgt, sagte eine Sprecherin. Zum Zeitpunkt der Attacke seien keine Menschen in dem Materiallager gewesen. Bodentruppen seien nicht eingesetzt worden.
Die EU hatte ihr Einsatzgebiet im Kampf gegen Piraten am Horn von Afrika erst kürzlich auf einen zwei Kilometer breiten Küstenstreifen ausgeweitet. Dort sind jetzt Luftangriffe auf Nachschublager der Piraten möglich. Es war dies nun der erste Angriff der EU-Kräfte gegen Piraten-Einrichtungen auf somalischem Festland.
Boote und Motoren zerstört
Mit Hilfe kleiner Handfeuerwaffen habe man in der Nähe von Haradhere Boote und Motoren zerstört, die von Piraten direkt an der Küste gelagert worden seien, erklärte die Atalanta-Sprecherin. Wie viel Material jetzt nicht mehr benutzbar sei, werde noch geprüft.
«Bisher hatten die Piraten immer das Gefühl, wir könnten sie nicht mehr erreichen, sobald sie an Land sind», sagte die Sprecherin. Das sei nun anders. Welche Nationen an dem Angriff beteiligt waren, wollte «Atalanta» zunächst nicht mitteilen. Nicht beteiligt war nach eigenen Angaben aus Berlin die deutsche Bundeswehr.
Umstrittene Ausweitung der «Atalanta»-Mission
Deutschland ist mit 340 Soldaten an der Atalanta-Mission beteiligt. Die Erweiterung des Einsatzgebiets auf die Küste war bei der Behandlung im Bundestag letzte Woche höchst umstritten. Erstmals verweigerte die Opposition geschlossen die Zustimmung zu dem Mandat. Zur Begründung hiess es, das Risiko für Soldaten und unbeteiligte Zivilisten sei zu hoch.
Erst vor wenigen Tagen hatten die Piraten einen griechischen Tanker gekapert. Bislang haben sie mit solchen Aktionen Millionen Dollar an Lösegeld eingenommen. (pet, dpa/reuters/sda)
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