Lockerbie-Attentäter al-Megrahi ist gestorben
Der Lockerbie-Attentäter al-Megrahi ist mit 60 Jahren nach einem Krebsleiden gestorben. (Keystone Archiv)
Am 21. Dezember 1988 zerreisst eine Bombe den Jumbo «Maid of the Seas» der Panam. Die Maschine ist von London nach New York unterwegs. Alle 259 Insassen und 11 Bewohner von Lockerbie in Schottland sterben.
Libyen unter Verdacht
Für die USA, die 189 Bürger durch den Anschlag verlieren, und auch für Grossbritannien ist rasch klar, dass Libyen in den Fall verwickelt ist. Der libysche Geheimdienst soll den Koffer mit der Bombe an Bord der Maschine geschmuggelt haben.
Urteil nach 12 Jahren
Zum Prozess kam es erst nach jahrelangen internationalen Verhandlungen. 2001 - gut zwölf Jahre nach dem Anschlag - wurde der Libyer Abdelbasset Ali Mohammed al-Megrahi zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stützte sich auf Indizien und Zeugenaussagen, wonach er den Bombenkoffer aufgegeben hatte. Ein zweiter Angeklagter kam frei.
Eingeständnis Libyens
Die libysche Führung erklärte sich im April 2003 für den Anschlag verantwortlich und sagte hohe Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zu. (nab, sda)
Der libysche Geheimdienstmitarbeiter war als einziger im Jahr 2001 für den Anschlag auf ein US-Flugzeug 1988 über dem schottischen Lockerbie verurteilt worden. Damals kamen 270 Passagiere, unter ihnen viele Briten und US-Bürger, ums Leben. Al-Megrahi hatte in dem Indizienprozess eine Beteiligung an dem Anschlag stets bestritten.
Seine lebenslange Haftstrafe musste Al-Megrahi jedoch nicht verbüssen. Am 20. August 2009 wurde er aufgrund seiner schweren Prostata-Krebserkrankung aus humanitären Gründen freigelassen. Seine Ärzte hatten die Lebenserwartung mit drei Monaten angegeben.
Nach Krankheit gestorben
In seiner Heimat wurde er von einer jubelnden Menge wie ein Volksheld empfangen. Al-Megrahi überlebte trotz der Prognose seiner Ärzte noch den Sturz des Regimes sowie den Tod des libyschen Langzeitmachthabers Muammar Ghadhafi im Oktober vergangenen Jahres.
«Abdel Bassit ist nach einem langen Kampf gegen seine Krankheit gestorben. Sein Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Monaten erheblich verschlechtert», sagte der Nachbar. Al-Megrahi hinterlässt den Angaben zufolge seine langjährige Ehefrau Aischa und fünf Kinder.
Bereits im August vergangenen Jahres hatte ein Reporter des US-Nachrichtensenders CNN den schwer Krebskranken als «Schatten seiner selbst» bezeichnet. Die Familie habe geklagt, dass sich in den Wirren des libyschen Bürgerkrieges von 2011 niemand ausser der Familie mehr um Al-Megrahi gekümmert habe. Plünderer hätten ausserdem Medikamente mitgenommen. Er falle immer wieder ins Koma, benötige Sauerstoff und hänge am Tropf, berichtete der Reporter.
Nie persönliche Beteiligung zugegeben
Den Befehl zum Lockerbie-Anschlag soll Ghadhafi nach Aussage seines früheren Justizministers Mohamed Abdul al-Jeleil persönlich 1988 gegeben haben. Ghadhafi habe später alles in seiner Macht Stehende getan, um Megrahi aus dem Gefängnis freizubekommen. Ghadhafi hatte zwar eine Beteiligung seines Landes für den Anschlag von Lockerbie eingeräumt, aber nie eine persönliche Beteiligung zugegeben.
Die Freilassung Al-Megrahis im August 2009 hatte zu einer schweren Verstimmung zwischen den USA und Grossbritannien geführt. Der Direktor der US-Bundespolizei FBI, Rober Mueller, sprach von einer Ermutigung für Terroristen in aller Welt und eine Verhöhnung aller Rechtsgrundsätze. Britische Oppositionsparteien wollten wissen, ob Geschäftsinteressen im ölreichen Libyen eine Rolle gespielt hätten.
Bis zuletzt hatten Hinterbliebene der Lockerbie-Opfer in Grossbritannien und den USA gefordert, dass Al-Megrahi erneut ausgeliefert werde. Der Nationale Übergangsrat in Libyen lehnte das jedoch ab. (basn, dpa)
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