Britischer Botschaftskonvoi in Libyen angegriffen
Libysche Sicherheitskräfte bewachen den angegriffenen Konvoi. (Reuters)
In der libyschen Hafenstadt Bengasi haben Unbekannte knapp eine Woche nach dem Bombenanschlag vor dem US-Konsulat einen Konvoi mit dem britischen Botschafter angegriffen. Auf die Fahrzeuge sei am Montag mit einer Panzerfaust geschossen worden, berichteten lokale libysche Medien.
Das britische Aussenministerium bestätigte einen «ernsten Vorfall». Dabei seien zwei Personenschützer verletzt worden.
Nach Angaben des libyschen Vize-Innenministers Unis al-Scharef war der britische Botschafter Dominic Asquith gerade auf dem Weg zum Bildungsministerium, als auf den Konvoi geschossen wurde. Der Vorfall habe sich im Viertel al-Kitsch im Nordwesten der Stadt ereignet.
Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP sah ein gepanzertes Fahrzeug mit Diplomatenkennzeichen, das vor dem britischen Konsulat in Bengasi geparkt war. Auf dem vorderen Beifahrersitz war Blut zu sehen. Die Sprecherin der britischen Botschaft sagte, ausser den zwei Sicherheitsbeamten sei niemand verletzt worden. Gemeinsame Ermittlungen mit den libyschen Behörden seien im Gange.
Bombe auf US-Botschaft
Erst vor knapp einer Woche war die US-Botschaft in Bengasi Ziel eines Bombenanschlags. Einen Tag zuvor hatte Washington bekannt gegeben, den Vize-Chef des Terrornetzwerks al-Qaida, Abu Jahja al-Libi, durch einen Drohnenangriff in Pakistan getötet zu haben.
Nach der Explosion vor der US-Vertretung hatte das libysche Nachrichtenportal Quryna von einem Bekennerschreiben berichtet, das auf eine Verbindung zur Terrororganisation al-Qaida hinweise.
In Bengasi war es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Angriffen auf westliche Delegationen gekommen. Mitte April bewarfen Unbekannte einen Konvoi der Vereinten Nationen mit einem Sprengsatz.
Zentrum des Widerstands
Bengasi war während des Aufstandes gegen Ghadhafi im vergangenen Jahr die erste grosse Stadt gewesen, die die Revolutionäre kontrollierten. Seit dem Sturz und dem Tod des Machthabers Muammar al-Ghadhafi wuchs die Kritik am Nationalen Übergangsrat (NTC).
Anfang des Jahres hatten Kritiker den Sitz des NTC in Bengasi gestürmt. Politiker und Stammesvertreter riefen im März in der Stadt Bengasi die Autonomie für die ölreiche Region Cyrenaica aus. (mz;basn, sda)
Mehr zum Stichwort:
