Geberländer versprechen Afghanistan Milliardenhilfe
Afghanistans Präsident Hami Karzai kehrt mit vollen Händen heim. (Keystone)
- Freitag, 26.10.2012: Blutiger Beginn des Opferfestes
- Mittwoch, 10.10.2012: Nato plant neuen Afghanistan-Einsatz
- Dienstag, 25.9.2012: Drohnen «terrorisieren» Menschen in Pakistan
- Freitag, 21.9.2012: USA ziehen ein Drittel ihrer Soldaten ab
- Dienstag, 18.9.2012: Nato schult afghanische Sicherheitskräfte nicht mehr
- Sonntag, 2.9.2012: Tote bei Anschlag auf Nato-Basis
Von DRS-Korrespondent Fredy Gsteiger
Die Botschaft der internationalen Geberkonferenz in Tokio ist klar: Afghanistan soll auch nach 2014, wenn die Nato ihre Truppen abzieht, nicht im Stich gelassen werden. Man habe sich auf lange Zeit verpflichtet, sagte der britische Entwicklungshilfeminister Andrew Mitchell gegenüber der BBC. Also müssten die Mittel weiter fliessen.
Vier Milliarden Franken jährlich an ziviler und nochmal so viel an Unterstützung für die Sicherheitskräfte: Das sind gewaltige Summen - und ein Mehrfaches von dem, was ähnlich notleidende Länder wie Jemen oder Somalia bekommen.
Teurer Krieg
Schon im vergangenen Jahrzehnt flossen rund 35 Milliarden Hilfesgelder nach Afghanistan. Mit beschränkter Wirkung, wie Präsident Hamid Karzai indirekt einräumt: Es werde noch viel harte Arbeit und Unterstützung erfordern, bevor sein Land auf eigenen Füssen stehen könne. Noch immer ist Afghanistan eines der ärmsten Länder der Welt.
Ein Grund dafür ist der fortdauernde Krieg. Ein weiterer die enorme Korruption. Deshalb wird die Hilfe nun an Bedingungen geknüpft: Bessere Regierungsführung, entschiedenere Korruptionsbekämpfung, freie Wahlen und Schutz der Rechte der Frauen.
Wo fliesst das Geld hin?
Anzumerken ist auch: Längst nicht all die Milliarden, die man auf früheren Geberkonferenzen versprach, wurden tatsächlich bezahlt - oft wurden alte, nicht eingehaltene Zusagen einfach als neue Mittel deklariert. Ausserdem floss viel Geld letztlich an westliche Berater, Generalunternehmer oder Sicherheitsfirmen.
Und auch die jüngsten Versprechen sind kaum für bare Münze zu nehmen. US-Aussenministerin Hillary Clinton spricht zwar von einer langfristigen Partnerschaft. Und Washington räumt Afghanistan gar den Status eines Nicht-Nato-Alliierten ein, genauso wie Israel oder Australien. Doch was passiert, falls nach dem Nato-Abzug eine Koalition aus Taliban und Warlords das Land regiert?
Aus dem Fokus verschwinden
Mit dem Abzug westlicher Truppen wird Afghanistan auch aus dem Fokus westlicher Medien verschwinden. Kaum eine Redaktion wird sich dann noch feste Korrespondenten in Kabul leisten.
Afghanistan wird auf der Prioritätenliste von Entwicklungsministerien und privaten Hilfsorganisationen weit nach unten rutschen. Als Beispiel: Im Irak oder im Kosovo sank die ausländische Hilfe fast über Nacht auf weniger als die Hälfte, als diese Länder aus den Schlagzeilen verschwanden. (fors)
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