Pussy Riot-Urteil für Mittwoch erwartet
Die Mitglieder von Pussy Riot werden während dem Prozess in einem Glaskäfig gehalten. (Keystone)
- Freitag, 2.11.2012: Medwedew stellt Haft für Pussy Riot in Frage
- Montag, 22.10.2012: Pussy-Riot-Mitglieder in Straflager verlegt
- Mittwoch, 10.10.2012: Haft für eine Musikerin von Pussy Riot aufgehoben
- Donnerstag, 23.8.2012: Menschenrechtsbeauftragter: «Urteil übertrieben»
- Samstag, 18.8.2012: Pussy Riot singen weiter gegen Putin
- Freitag, 17.8.2012: Scharfe Kritik am ersten Urteil gegen Pussy Riot
Im umstrittenen Moskauer Prozess gegen die feministische Protestband Pussy Riot plädierte Staatsanwalt Alexej Nikiforow vor dem Chamowniki-Gericht auf drei Jahre Lagerhaft. Er wirft den Bandmitgliedern Rowdytum aus religiösem Hass vor. Die drei jungen Frauen hätten die Gefühle von Gläubigen absichtlich und grob verletzt.
Höchststrafe beträgt sieben Jahre
Mit dem beantragten Strafmass blieb die Anklage deutlich unter der Höchststrafe von sieben Jahren Lagerhaft. Der russische Präsident Putin hatte letzte Woche angemahnt, die jungen Russinnen nicht zu hart zu bestrafen.
Die Schuld von Maria Aljochina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch sei erwiesen, sagte der Staatsanwalt bei der live im Internet übertragenen Sitzung.
Die Musikerinnen im Alter von 22 bis 29 Jahren hatten ihr etwa einminütiges Protestgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russischen Kathedrale als politische Aktion verteidigt.
«Erniedrigende» Verfahren
Doch die vielen internationalen Appelle, Prozesse nicht zur Einschüchterung der Opposition zu missbrauchen, prallen an Russland ab. In der Kritik steht nicht zuletzt der Stil der Richterin Syrowa, die in einer Woche einen Fall mit sieben Aktenordnern, 3000 Seiten und vielen beschlagnahmten Computerdateien durchgepeitscht hat.
«90 Tage mindestens dauert es, um diese Menge an Material durchzuarbeiten», betont Verteidigerin Wolkowa. Sie wirft Richterin Syrowa vor, den Angeklagten in Sitzungen von oft bis zu zwölf Stunden kaum Pausen und keine warme Mahlzeit zu gönnen. Ausserdem habe das Gericht nur 3 von 17 Entlassungszeugen zugelassen.
Die Anwälte von Pussy Riot kündigen wegen des «erniedrigenden» Verfahrens eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Gleichwohl äussern Menschenrechtler die Hoffnung, dass das Gericht nach einem Appell Putins, «nicht so hart zu urteilen», doch noch zu einem anderen Schluss kommen könnte.
Bürgerrechtlerin Tatjana Lokschina von der Organisation Human Rights Watch in Moskau meint aber, dass die nun beantragten drei Jahre Haft für Pussy Riot vielleicht schon die «mildere Strafe» sei. Auf Rowdytum stünden bis zu sieben Jahre Straflager. Immerhin fordern zwei der neun Nebenkläger eine Bewährungsstrafe für Pussy Riot.
Die Verhandlung gegen die kremlkritische Punkband Pussy Riot ist für heute Dienstag beendet. Das Urteilsspruch wird am morgigen Mittwoch erwartet. (pet;basn, sda/dpa/reuters)
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