Bestürzung nach Blutbad in Südafrika
Am Tag nach dem Massaker demonstrierten wütende Frauen gegen die Polizeigewalt. (Keystone)
Nach der Tötung von mindesten 34 streikenden Bergleuten durch die Polizei steht Südafrika unter Schock. Zeitungen betitelten den härtesten Polizeieinsatz seit Ende der Apartheid als «Blutbad» und «Bergwerk-Gemetzel».
Fotos und TV-Bilder zeigen, wie schwerbewaffnete weisse und schwarze Polizisten das Feuer auf eine kleine Gruppe mit T-Shirts und Umhängen bekleideter Schwarzer eröffnete und an den im Staub liegenden Leichen vorbeischlenderten. Die Bilder erinnerten viele Bürger an die Brutalität der 1994 zusammengebrochenen Herrschaft der weissen Minderheit.
Zuma bricht Auslandreise ab
Er sei schockiert und bestürzt von den Ereignissen in der Platinzeche Marikana 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg, sagte Präsident Jacob Zuma.
Zuma brach seine Teilnahme an einem Regionalgipfel im benachbarten Mosambik ab, um die Zeche zu besuchen. Zum Vorgehen der Sicherheitskräfte äusserte er sich zunächst aber nicht.
Die Polizisten hatten am Donnerstag das Feuer auf etwa 3000 mit Macheten und Knüppeln bewaffnete streikende Arbeiter eröffnet, die nicht auseinandergehen wollten. Polizeiminister Nathi Mthethwa bestätigte erst nach mehr als zwölfstündigem offiziellem Schweigen den Tod von mindestens 30 Arbeitern in dem Bergwerk des Lonmin-Konzerns. Die Polizei sprach später von 34 Toten und 78 Verletzten.
Notwehr?
Mthethwa verteidigte den Einsatz als Notwehr. Aus der Menge heraus sei auf die Beamten geschossen worden. Diese hätten dann zurückgefeuert.
Hunderte schwerbewaffnete Polizisten sicherten am Freitag das Zechengelände ab und suchten nach Beweismitteln. Auch Schusswaffen sollen sichergestellt worden sein, was die Aussagen über Schüsse auf die Polizei bestätigen könnte. Die Zeitung «Sowetan» verurteilte das Vorgehen allerdings aufs Schärfste. «Dies ist früher passiert, als das Apartheid-Regime die Schwarzen wie Dinge behandelt hat», schrieb das Blatt auf seiner Titelseite.
Platinpreis steigt
Der in London ansässige Minenbetreiber Lonmin stellte in seinen Platinwerken, die zwölf Prozent zur weltweiten Förderung des Edelmetalls beitragen, die Produktion ein. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte seit der Eskalation des Konflikts zeitweise um fast 20 Prozent ab.
Im Gegenzug zog der Preis für Platin um bis zu 1,5 Prozent an. Damit verteuerte sich das Metall innert zweier Tage um knapp fünf Prozent. (luek;bru, reuters)
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