Ultimatum für Mineure in Südafrika
Ein Gottesdienst auf dem Geländer der Mine (Keystone)
Rund ein Drittel der 28.000 Mann starken Belegschaft der Lonmin-Platinmine hat die Arbeit wieder aufgenommen. Dies teilte der britisch-südafrikanische Betreiber des Bergwerks mit Sitz in London mit.
Den restlichen Kumpel stellte das Minenunternehmen ein Ultimatum. Wer bis zum Dienstag nicht wieder arbeitet, bekommt eine Kündigung. Die Lage am Ort der Zusammenstösse war zwar ruhig, doch blieb die Stimmung im Bergwerk und den angrenzenden Siedlungen angespannt.
Ein Gläubiger bei einem Gottesdienst sagte, viele trauten sich nicht einmal in die Kirche zu kommen aus Angst, dass die Messe als Gewerkschaftstreffen angesehen werde.
Die Bergleute fordern eine Lohnerhöhung von derzeit 4500 Rand (530 Franken) auf 12'500 Rand (1440 Franken).
Staatstrauer nach Gewaltwelle
Die Polizei hatte vergangenen Donnerstag das Feuer auf mit Macheten, Speere und Knüppeln bewaffnete Arbeiter eröffnet und 34 von ihnen getötet. Es war der härteste Polizeieinsatz seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994. Hintergrund des Konflikts ist ein Streit zwischen zwei grossen Gewerkschaften. Lonmin ist der drittgrösste Platin-Produzent mit einem Weltmarktanteil von zwölf Prozent.
Unterdessen begann in dem Land am Kap eine einwöchige Staatstrauer, die von Präsident Jacob Zuma angeordnet worden war. Alle Flaggen in Südafrika wurden auf Halbmast gesetzt. Zuma hatte zudem angekündigt, dass eine Untersuchungskommission ermitteln soll, wie es zu der Gewaltwelle kommen konnte.
«Wir müssen sicherstellen, dass das Recht auf Proteste aufrechterhalten und verteidigt wird, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass dies nicht in illegale Aktionen abgleitet», sagte Präsidentensprecher Mac Maharaj.
Am Montag sollten auch die Gerichtsverfahren gegen 250 Minenarbeiter beginnen, die im Zusammenhang mit den Ausschreitungen festgenommen worden waren.
Platinpreis steigt
Das Unternehmen Lonmin PLC fördert über zehn Prozent des weltweiten Platinbedarfs. In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Reserven des Edelmetalls, das unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuckwaren verwendet wird.
Der Platinpreis stieg auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1490 Dollar je Unze. Binnen einer Woche war der Preis wegen der Unruhen damit um rund 100 Dollar gestiegen. Sollte sich die Lage in der Marikana-Mine wieder beruhigen, dürften die Preise aber sicher wieder deutlich fallen, sagte Peter Fung, Chef-Händler von Wing Fung Precious Metals. «Denn die Nachfrage nach Platin ist nicht gross.» (wedj,sda/dpa/afp/reuters)
