Berichte von zaghaften Reformen in Nordkorea
Nordkoreanische Bauern beim Bebauen eines Feldes. (Keystone)
Das von Hungersnöten geplagte Nordkorea will sich offenbar mit einer Agrarreform stärker der Marktwirtschaft zuwenden. Laut der Onlinezeitung «DailyNK» soll den Bauern erlaubt werden, einen Teil der Ernte selbst zu verkaufen.
Zwei Drittel der Menschen hungern
In einem Länderbericht im Juni 2012 hatten die Vereinten Nationen noch festgestellt, dass rund zwei Drittel der 24,1 Millionen Nordkoreaner nicht genug zu essen hätten. Für viele hat sich seitdem die Lage durch verheerende Sommerfluten verschärft.
Die in Seoul von nordkoreanischen Flüchtlingen herausgegebene Online-Zeitung «DailyNK» berichtete, dass die Regierung den Agrarbetrieben künftig mindestens 30 Prozent der Ernte zuteilen wolle. Auch jeden Überschuss könnten sie verkaufen.
Bisher mussten die Betriebe die Ernte, abgesehen von einem Anteil für die Familien, an das Militär und staatliche Organisationen abliefern. Der Preis dafür ist staatlich festgelegt und liegt weit unter dem Marktpreis.
Zudem sollen Arbeiter in kleinen und mittelgrossen Unternehmen keine Bezugsscheine mehr erhalten, sondern gänzlich in Geld entlohnt werden, hiess es.
«6.28-Politik»
«Die Behörden sagten uns, dass die Massnahmen zur Verbesserung des Wirtschaftsmanagements, auch als 6.28-Politik bekannt, am 1. Oktober in Kraft treten», zitierte «DailyNK» einen Informanten in Nordkorea. In den vergangenen Wochen seien die Menschen über die am 28. Juni eingeführten Massnahmen unterrichtet worden.
Nichts Offizielles
Eine offizielle Verlautbarung der Regierung gab es bislang nicht. Nähere Aufschlüsse über die Absichten des Regimes hatten sich Beobachter von der Sitzung des Parlaments in Nordkorea erwartet. Doch die Staatsmedien berichteten nur über die Verlängerung der Schulpflicht, der das Parlament zugestimmt hat.
Auf Wirtschaftsreformen gab es zunächst keine Hinweise. Schon wird spekuliert, dass die Massnahmen ohne grosse Vorankündigung in Kraft treten könnten, da dass Regime sonst Fehler durch die eigene Misswirtschaft eingestehen müsste.
Nicht von Hungersnot erholt
Nordkoreas Wirtschaft hat sich nie von einer schweren Hungersnot in den Neunzigerjahren erholt, bei der schätzungsweise eine Million Menschen starben. In der Landwirtschaft haben die Abholzung und falsche Anbautechniken die Böden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Sie sind damit auch anfälliger für Überschwemmungen und benötigen dringend Dünger.
Grundsätzlich braucht Nordkorea Experten zufolge pro Jahr etwa 5 Millionen Tonnen Getreide und Kartoffeln. Seit den Neunzigern lag die Produktion jedoch in einer Spanne zwischen 3,5 und 4,7 Millionen Tonnen.
Das Welternährungsprogramm wies im August darauf hin, dass die Mahlzeiten der nordkoreanischen Bevölkerung fast nur aus Mais und Reis bestehen. Insbesondere Proteine und Fette fehlten. (lin;basn, sda/reuters/dpa)
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