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  • Ägypten nach dem Ende der Ära Mubarak :

Hintergrund: Ägyptens Muslimbrüder

Die Muslimbruderschaft ist eine islamistische Bewegung, die in zahlreichen arabischen und westlichen Ländern aktiv ist. In Ägypten war sie jahrelang die grösste und bestorganisierte Oppositionsbewegung - trotz Verbots. Aus den ersten Wahlen in der Nach-Mubarak-Ära Ende 2011 ging sie mit 40 Prozent als Wahlsiegerin hervor, auch der neue Präsident Mursi stammt aus ihren Reihen.

Die Muslimbrüder in Ägypten und Jordanien gelten als relativ moderat und friedlich - im Gegensatz zur palästinensischen Hamas-Bewegung, die sich letztlich auf die gleichen ideologischen Grundsätze und Vordenker beruft. Trotzdem streben die ägyptischen Muslimbrüder eine «Islamisierung» des Staates an und verurteilen den westlichen Lebensstil.

Prägende Köpfe
Über die Zahl der Anhänger gibt es keine sicheren Angaben. Gegründet wurde die Organisation 1928 von dem ägyptischen Volksschullehrer Hassan al-Banna, der den Westen als existenzielle Bedrohung für den Nahen Osten wahrnahm. Al-Banna wurde 1949 von der ägyptischen Geheimpolizei auf offener Strasse erschossen und gilt vielen als Märtyrer.

Eine weitere prägende Figur der Bewegung war Sajjid Kutb, der dem radikalen Flügel der Bewegung zugeordnet wird. Mit Kutb, der 1966 hingerichtet wurde, hatte Mohammed Badia, das aktuelle Oberhaupt der Bruderschaft in Ägypten, einst gemeinsam im Gefängnis gesessen.

Vielfältiges Erscheinen
Die Muslimbrüder verstehen den Islam als untrennbare Einheit von Politik und Religion und das islamische Recht (Scharia) als politisches und gesellschaftliches Ordnungsprinzip. Ihr Erscheinungsbild ist vielfältig. Während sie in Ägypten wie eine Partei auftreten und sich für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen, handeln Muslimbrüder in anderen Staaten im Untergrund und werden von den Sicherheitsbehörden teils streng verfolgt.

In Ägypten bekennt sich die Muslimbruderschaft zum Gewaltverzicht. Die ägyptischen Christen und Nationalisten misstrauen den Muslimbrüdern teilweise. Sie werfen ihnen vor, die Interessen der Muslime über die Interessen der Bürger ihres Landes zu stellen.

Stärkste Kraft im neu gewählten Parlament
Ende April 2011 gründeten die ägyptischen Muslimbrüder die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, ihren poliltischen Arm. Aus den ersten Parlamentswahlen Ende 2011 ging die Partei der Muslimbruderschaft mit rund 40 Prozent der Stimmen als Wahlsiegerin hervor. Zusammen mit der mit den Muslimbrüdern verbündeten Demokratischen Allianz sowie den Salafisten holten die Islamisten bei den Parlamentswahlen insgesamt rund 70 Prozent der Wählerstimmen.

Allerdings wurde die Wahl im Juni 2012 von einem Kairoer Gericht annulliert, weil es bei den angeblich unabhängigen Kandiaten zu Unregelmässigkeiten gekommen sei: Viele von diesen sollen in Wahrheit Kandidaten der Islamisten gewesen sein. Kurz darauf wurde einer der Ihren, Mohammed Mursi, zum neuen Präsidenten Ägyptens und offiziellen Nachfolger des gestürzten Hosni Mubarak gewählt. Allerdings beschnitt der Militärrat vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses wichtige Befugnisse, die bis dahin beim Präsidenten lagen.

Sorge in Israel
Sorge bereiten die Muslimbrüder und die erstarkten Islamisten auch Ägyptens Nachbar Israel. Dort fürchtet man, dass sie nach der Machtübernahme im Nachbarland den Friedensvertrag in Frage stellen könnte. Ägypten war das erste arabische Land, das 1979 einen Friedensvertrag mit Israel unterschrieb.

Allerdings sind auch die Muslimbrüder in einem Prozess des Wandels. Ihre Rhetorik stimmt oft nicht mit ihrem Handeln überein. So haben die Muslimbrüder zwar immer wieder ihre vehemente Gegnerschaft zu «jedem Abkommen mit der habgierigen Einheit Israel» verkündet.

Nachdem sie 2005 aber etwas parlamentarischen Einfluss gewannen, erklärten sie, dass sie an die Aussenpolitik nicht Hand anlegen wollten. «Wir erkennen Israel nicht an, aber werden nicht gegen es kämpfen. Wir werden alle Verträge respektieren», sagte Mohammed Mahdi Akef, seinerzeit der höchste Anführer der Bruderschaft, im Jahr 2005. (ank;pet, dpa)

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