Solothurner Literaturtage eröffnet
Das offizielle Plakat der 34. Solothurner Literaturtage. (zvg)
Es gibt an den Literaturtagen nicht nur viel zu lesen, sondern auch viel zu hören – und viel zu sehen. Das Team des Regionaljournals hat Impressionen eingefangen. Schlangen an den Kassen, grosse Bücher in den Gassen Solothurns ...
Die Literaturtage servieren dieses Jahr ein aussergewöhnlich opulentes Lese-Menü: mit gestandenen Profis und vielversprechenden Neulingen aus nicht weniger als 16 Ländern, darunter so exotischen wie Katar, Japan oder Zimbabwe.
Um die 100 Schreibende werden in Solothurn erwartet, wie immer etwa die Hälfte Deutschschweizer, ein Viertel aus den anderen Landesteilen und ein Viertel aus dem Ausland. Täglich über Mittag diskutiert ein Autorenpaar die Frage «Wie küsst die Muse heute?». Je nach Herkunftsland könnte die dichterische Eingebung weniger göttlich als politisch sein.
Prominente Schweizer an den Solothurner Literaturtagen sind E. Y. Meyer, der seinen lang erwarteten neuen Roman vorstellt, Christian Kracht, der vielleicht erstmals über seinen umstrittenen Roman «Imperium» spricht, Franz Hohler, der gleich fünf Veranstaltungen bestreitet, sowie «Hunkeler»-Autor Hansjörg Schneider, der sein Erinnerungsbuch «Nilpferde unter dem Haus» präsentiert.
Von Matt zur besten Sendezeit
Dem Literaturwissenschaftler Peter von Matt ist am Sonntag zum 75. Geburtstag die Abschlussveranstaltung gewidmet: Er liest aus seinem neuen Buch «Das Kalb vor der Gotthardpost» und unterhält sich mit Publizist Roger de Weck über Literatur und Politik – vermutlich wie immer auf hohem Niveau, leicht verständlich und humorvoll.
Ein Nobelpreisträger steht heute keiner auf dem Programm. Immerhin kommen der deutsche Büchner-Preisträger F. C. Delius und sein Landsmann Marcel Beyer, ebenfalls hochdekoriert. Je vier junge Schweizer und Schweizerinnen stellen Erstlinge vor, darunter Matthias Nawrat seine zauberhafte Liebesgeschichte «Wir zwei allein» und Thomas Meyer den Roman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse», der es im Minimum auf die Liste der besten Buchtitel 2012 schaffen dürfte.
Neue Töne aus unerwarteten Winkeln
Vielversprechend auch der Lyrikerstling von Angelia (sic!) Maria Schwaller, die in Sensler Dialekt schreibt. Lyrik ist heuer ein Schwerpunkt, namentlich die noch junge Form Spoken Word. Neben bekannten Schweizer Koryphäen wie Pedro Lenz und Jürg Halter performen etwa auch die Inderin Meena Kandasamy, der Zimbabwer Chirikure Chirikure und Lebogang Mashile aus Südafrika. Sie bestreiten zu dritt einen englischsprachigen Abend, der zu einem der Höhepunkte der Literaturtage werden dürfte.
Den Veranstaltern ist es heuer offenbar ein Anliegen, dass Literatur nicht nur konsumiert, sondern auch produziert wird. So wird das Spiel «Icon Poet» der Berner Gebrüder Frei vorgestellt: Darin gilt es, aus vier oder fünf gewürfelten Symbolen eine Kürzestgeschichte zu basteln. Unter anderem messen sich Hohler und Lenz in dieser Disziplin.
«Dr Goalie bin ig»-Autor Lenz wird darüber hinaus – wenig erstaunlich – am Fussballspiel Belletristik gegen Lyrik und an der anschliessenden Buchvernissage der Anthologie «Das Chancenplus war ausgeglichen» mitwirken.
Preise vorne und hinten
Zum Auftakt der Literaturtage wurden am Auffahrtsnachmittag die letzten Grossen Schillerpreise an Peter Bichsel und Giovanni Orelli vergeben. Ausserdem werden die Literaturtage mit der Übergabe des Solothurner Literaturpreises an Annette Pehnt am Sonntag erstmals mit einer Preisverleihung ausklingen. (affa/sda)
