Roma-Gruppe verlässt besetztes Gelände im Wallis
Die Roma sind abgezogen, was bleibt sind die Schäden und Verunreinigungen mit Exkrementen in den angrenzenden Maisfeldern. (Keystone)
Der Sprecher der Walliser Kantonspolizei sprach am Sonntag von einem «erbärmlichen Schauspiel». Die extra aufgestellten Abfallkübel seien nur teilweise benützt worden, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Nun auf dem offiziellen Standplatz
Die Fahrenden, die vor allem aus Frankreich und Deutschland angereist waren, zogen weiter. Einige gingen zurück nach Frankreich, andere fuhren in Richtung Freiburg oder installierten sich auf dem offiziellen Walliser Stellplatz in Martigny.
Am vergangenen Sonntag hatte die ungewöhnliche Hochzeitsgesellschaft mit ihren rund 60 Campern eine Wiese in der 2000 Einwohner zählenden Gemeinde Collombey-Muraz in Beschlag genommen. Darauf entbrannte ein Streit zwischen dem Bauern, der das Grundstück bestellt, und den Roma. Der Bauer reichte am Montag gar eine Anzeige wegen Drohung ein.
Polizei vermittelt Kompromiss
Schliesslich handelten die Fahrenden unter Vermittlung der Polizei mit dem Grundstücksbesitzer einen Kompromiss aus: Die Roma mussten 5500 Franken «Miete» bezahlen und sollten das - saubere - Grundstück bis am Sonntag, 12 Uhr, verlassen haben.
Der ausgehandelte Miettarif entsprach dem Preis, den die Roma auf dem offiziellen Stellplatz in Martigny hätten bezahlen müssen. Dort haben allerdings nur rund 30 Wohnwagen Platz. Deshalb wich die viel grössere Hochzeitsgesellschaft auf die Wiese in Collombey-Muraz aus.
Abfall und haufenweise Exkremente
In der Gemeinde erhitzten sich die Gemüter im Verlauf der Woche immer mehr. Die Medien - vor allem in der Westschweiz - berichteten täglich über das Roma-Fest, das auch in den sozialen Netzwerken hohe Wellen warf. Im Internet wurden mehrere Drohungen gegen die Hochzeitsgesellschaft ausgesprochen.
Zahlreiche Anwohner störten sich an Abfall und Exkrementen, welche die Camping-Karawane hinterlasse und äussertenSicherheitsbedenken. Die Polizei reagierte mit einem erhöhten Aufgebot rund um den Ort, wo die Hochzeit stattfand, und sperrte sogar einige Strassen ab.
Immer mehr Roma in der Romandie
In der Westschweiz sind die Fahrenden zurzeit ein kontrovers diskutiertes Thema. Neben dem Wallis sieht sich auch das Waadtland in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl campierender Roma konfrontiert.
«Die offiziellen Plätze in der Waadt sind für 70 Wagen ausgelegt. Aktuell sind es zwischen 140 und 150 Wagen», sagte Pierrette Roulet-Grin, die für den Kanton Waadt als Mediatorin amtet, vergangene Woche zur Nachrichtenagentur sda. 95 Prozent der Personen stammten aus Frankreich.
Roulet-Grin berichtete von zahlreichen Konflikten zwischen den Fahrenden und den Nachbarn oder Grundstückbesitzern, auf deren Feldern sich die Roma niederlassen. Sie müsse mehrere Male pro Woche ausrücken, um Streit zu schlichten. In der Waadt soll nun eine Arbeitsgruppe nach Lösungen suchen. (pet, sda)
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