Bergungsversuche des Felssturz-Opfers im Gang
Bei Gurtnellen im Kanton Uri sind am Dienstagmorgen Felsen auf die Gotthardlinie der SBB gestürzt. Dabei wurde eine Bauequipe erfasst. Zwei Männer wurden verletzt, ein weiterer blieb vorerst vermisst. Die Zugstrecke ist unterbrochen.
Dabei wird ein ferngesteuerter Raupenbagger eingesetzt, bestätigte die Urner Kantonspolizei. Das Gerät ist unbemannt und kann deshalb trotz der Gefahr von weiteren Felsabbrüchen in den Hang geschickt werden. Wie lange die Suche nach dem Verschütteten, einem 29-jährigen Urner, dauern wird, ist noch offen.
Um erneuten Felsabbrüchen zuvorzukommen, plant die SBB auch Sprengungen. Sie sind aber erst möglich, wenn sich die Felswand während mehreren Tagen ruhig verhalten hat. Dies dürfte frühstens Mitte der nächsten Woche der Fall sein. Dann soll ein 500 Kubikmeter grosse Felsstück oberhalb der Gotthardbahnlinie gesprengt werden.
Erst anschliessend könne man Felsanker setzen und danach mit den Aufräumarbeiten beginnen. Diese dauern laut SBB rund einen Monat, erst dann kann die Gotthard-Linie wieder für den Bahnverkehr geöffnet werden.
Kaum Hoffnung für verschütteten Arbeiter
Drei Männer, die an der Sicherung der alten Absturzstelle waren, wurden vom massiven Felssturz erfasst. Zwei wurden verletzt, einer verschüttet. Für ihn «besteht kaum noch Hoffnung», sagte der stellvertretende Kommandant der Urner Kantonspolizei.
Die Arbeiter waren mit einem Steinschlagnetz geschützt. Auch seien Messgeräte installiert gewesen, sagte Markus Liniger von der Firma Geotest, der als Geologe auf der Baustelle tätig ist. «Es gab absolut keine Anzeichen für die Felsbewegung».
Zusätzlich zu den eigenen Geologen, zieht die SBB für weitere Abklärungen den Tessiner Kantonsgeologen bei. Man wolle damit auf eine neutrale Fachperson zurückgreifen, sagt SBB Mediensprecher Christian Ginsing.
Güterverkehr stark beeinträchtigt
Die Gotthard Bahnstrecke wird nun einen Monat lang für jeglichen Verkehr gesperrt. Im Personenverkehr sind täglich 4000 Reisende von der Sperrung betroffen. Hinzu kommen viele Schulreisen. Weil das Tessin zu den beliebtesten Schulreise-Destinationen gehört, prüfen die SBB jetzt Alternativkonzepte.
Schwieriger wird es, den Güterverkehr umzuleiten. Die Simplonröhre wird zur Zeit saniert. Die Kapazität ist deshalb ohnehin schon eingeschränkt. Zusätzliche Züge brächten die Lötschberg-Simplon-Achse deshalb «schnell ans Limit», sagte SBB-Mediensprecher Reto Kormann in Erstfeld. Die SBB sucht nun fieberhaft nach Ausweichrouten via Österreich (Brenner) und Frankreich (Mont Cenis).
Die Tansportunternehmen forderten Massnahmen. Eine Massnahme ist, dass der Gotthardtunnel für Unterhaltsarbeiten weniger lang zu ist als vorgesehen. (sda, pp, laur)
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