Walliser Wolf erschossen
Der erschossene Walliser Wolf. (Kanton Wallis)
Die Zahl der Wölfe auf Schweizer Gebiet hat im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen. Experten des Bundes schätzen, es treiben sich rund 20 Wölfe herum. Der Schaden, den sie anrichten, wird als bescheiden eingestuft. Mehr
Am frühen Mittwochmorgen haben Wildhüter auf der Alp Scex im Wallis einen Wolf erlegt. Er habe sich in der Nähe einer Rinderherde aufgehalten, teilte die Walliser Staatskanzlei mit.
Für das Gebiet Montana-Varneralp oberhalb von Siders galt die Abschussbewilligung, die der Kanton in der vergangenen Woche erlassen hatte. Die Abschussbewilligung war erteilt worden, weil ein Wolf Rinder angegriffen hatte. Die Wildhüter hatten 60 Tage Zeit gehabt für den Abschuss.
Männliches Tier erlegt
Beim abgeschossenen Wolf handelt es sich um ein männliches Tier. DNA-Analysen von Bissspuren an Schafen hatten gezeigt, dass er zusammen mit einem Weibchen unterwegs war. Eindeutige Hinweise auf Junge gibt es zwar nicht, allerdings kann Nachwuchs auch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Experten fragen sich etwa, warum die Wölfe soviele Tiere gerissen haben und sich nicht von der Alp vertreiben liessen. Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd beim Bundesamt für Umwelt, sieht darin Hinweise, die auf Junge hindeuten. «Es wäre fahrlässig, jetzt nicht über diese These zu diskutieren.»
Die Abschussbewilligung im Wallis galt nur für einen Wolf, damit ist das Weibchen vorerst sicher. Bei weiteren Angriffen auf Rinderherden wollen die Behörden die Situation neu beurteilen.
Bekannte Wölfe aus Italien
Die zwei Wölfe stammen ursprünglich aus Italien, sie sind aber in der Schweiz schon länger bekannt: Das nun erlegte Männchen bewegte sich in den Nordwestalpen zwischen den Kantonen Bern und Freiburg. Das Weibchen zieht seit dem vergangenen Jahr durch das Wallis.
Umweltverbände enttäuscht
Enttäuscht über den Abschuss zeigten sich die Umweltverbände: Der Kanton Wallis habe zwar einen Wolf erlegt, das Problem aber nicht gelöst, sagte der Wolfsexperte des WWF, Kurt Eichenberger, gegenüber Schweizer Radio DRS.
Eichenberger erwartet, dass weitere Tiere kommen. «Mittel- bis langfristig ist kein einziges Problem gelöst», so Eichenberger. «Wir haben eigentlich nur die Möglichkeit, die Herden besser zu schützen.» Sollte dies nicht gelingen, werde man Jahr für Jahr vor demselben Problem stehen.
Besserer Schutz für die Herden
Besseren Schutz können beispielsweise mehr ausgebildete Herdenhunde bieten, die Schafe und Rinder besser vor Angriffen schützen können.
Die Gruppe Wolf Schweiz hielt fest, bereits die Abschussbewilligung sei äusserst fragwürdig gewesen, da es keine klaren Kriterien bezüglich gerissenen Rindern gebe. Auch der Verein Wildtierschutz Schweiz kritisierte den Wolfsabschuss durch den Kanton Wallis. (ank/bat, sda)
Mehr zum Stichwort:
