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Zwei Röhren, zwei Meinungen: Plakate zur NEAT-Abstimmung von 1992. (Keystone)

Chronologie eines Jahrhundertprojekts

Der Gotthard-Basistunnel ist ein Jahrhundertprojekt, das über die letzten Jahrzehnte stets gewachsen, verändert und immer wieder neu in Angriff genommen wurde. Eine Chronologie der wichtigsten Daten und Ereignisse.

 

Phase I: Von der Vision zur Abstimmung

1882

Die Gotthardbahnlinie wird eröffnet und ist mit 15 km der längste Tunnel der Welt. Bild: Die erste Gotthardbahn-Dampflokomotive vor dem Bahnhof Göschenen.


1947
Der Basler Ingenieur Eduard Gruner skizziert die Idee eines Gotthard-Basistunnels als Teil eines Schnellbahnsystems. Noch ist es ein theoretischer Entwurf.

1963
Mit dem wirtschaftlichen Boom der 1960er Jahre plant die Schweiz eine Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat). Der Bund setzt dazu die «Kommission Eisenbahntunnel durch die Alpen» (KEA) ein, um Varianten möglicher Tunnels zu evaluieren.

1970
Die KEA empfiehlt den Bau eines Basistunnels am Gotthard und den Ausbau der Lötschberglinie auf Doppelspur.

1970er Jahre

Bundesrat Willi Ritschard (Bild) setzt eine neue Kommission ein, die die Varianten erneut prüfen soll. Doch politische Differenzen und eine wirtschaftliche Rezession bringen den Elan um den Tunnelbau zum Erliegen. Insbesondere der Streit zwischen den Gotthard-, Simplon- und Splügenbeführwortern blockiert das Projekt.

Stellungnahmen der Kantone (Kurt Zurfluh, 25.11.1973)


1986

Nachdem der Bundesrat die Neat 1983 noch als «nicht dringlich» einstufte, rücken die Pläne wieder in den Vordergrund: Es werden fünf neue Variantenstudien erstellt.

Die betroffenen Regionen äussern sich (Hans-Peter Trütsch, 19.02.1988)


1989

Der Bundesrat beschliesst die sogenannte Netzvariante: eine Kombination von Gotthard und Lötschberg, dazu der Hirzeltunnel für die Anbindung der Ostschweiz. Adolf Ogi (Bild), Vorsteher des Verkehrsdepartements, wirbt im ganzen Land für diese Lösung.

Bundesrat Ogi: «Es ist kein Abenteuer» (Ruedi Mäder, 28.05.1990)


1991
Das Parlament billigt die Bundesbeschlüsse zur Netzvariante.

1992

Die erste Hürde ist genommen: 64 % der Schweizer nehmen den Alpentransit-Beschluss an - und stimmen damit dem Bau der Neat am Gotthard und Lötschberg zu.

Bundesrat Ogi startet die Abstimmungskampagne (Rolf Camenzind, 12.08.1992)


Phase II: Das Projekt nimmt Formen an

1993
Am Gotthard werden erste Sondierungen durchgeführt, um die geologischen Verhältnisse zu klären.

1994

Bundesrat Otto Stich (Bild), Vorsteher des Finanzdepartements, warnt vor einem finanziellen Debakel. Er fordert, vorläufig auf den Lötschberg-Basistunnel zu verzichten.

Bundesräte Ogi und Stich sind verstimmt (Ruedi Mäder, 15.08.1994)


1995
Der Bundesrat entscheidet, Lötschberg- und Gotthardtunnel gleichzeitig zu bauen - Sieg für Adolf Ogi, Niederlage für Otto Stich. Dieser tritt in der Folge als Bundesrat zurück.

1996

Der neu gewählte Bundesrat Moritz Leuenberger löst Adolf Ogi als Verkehrsminister ab. Unter ihm wird die 1992 beschlossene Neat redimensioniert: Der Lötschberg-Basistunnel soll einspurig, der Hirzeltunnel sowie weitere Zufahrtslinien gestrichen werden.

Verkehrsminister Leuenberger verteidigt die abgespeckte Neat (Ruedi Mäder, 24.04.1996)
Die betroffenen Regionen zum Neat-Entscheid (Michèle Laubscher, 24.04.1996)
Enttäuschte Ostschweiz (Thomas Müller, 24.04.1996)

1998

Das Stimmvolk stimmt der verkleinerten Neat zu. Die SBB-Tochtergesellschaft Alptransit Gotthard wird gegründet mit dem Zweck, den Gotthard-Basistunnel zu bauen.

Stimmvolk gibt grünes Licht (Ruedi Mäder, 29.11.1998)

1999
Das Verkehrsdepartement erteilt die Plangenehmigung für den Gotthard- und den Lötschberg-Basistunnel. An beiden Tunnel beginnt der Bau noch im selben Jahr.


Phase III: Vom ersten Spatenstich bis zum Durchbruch

1999

Am 4. November erfolgt der offizielle Spatenstich für den Gotthard-Basistunnel mit grossem Publikumsandrang. Es ist geplant, den Tunnel zwischen 2010 und 2012 fertigzustellen.

Symbolische Sprengung in Amsteg (Hanns Fuchs, 4.11.1999)

2000-2005

Einsprachen, technische Schwierigkeiten und Störzonen im Fels verzögern die Bohrarbeiten an den verschiedenen Bauabschnitten. Man geht jetzt von einer Inbetriebnahme in den Jahren 2013/2014 aus.

Der erste Tag an der Neat-Baustelle (Marian Balli, 4.03.2002)
Ein Dorf verändert sich: Stimmen aus Amsteg (Marian Balli, 5.05.2003)
Die Bezwingung des Bergs («Kontext» von Sabine Bitter, 26.04.2005)

2005

Im Lötschberg-Basistunnel erfolgt der Durchschlag. Zwei Jahre später wird der Tunnel von Bundesrat Moritz Leuenberger eröffnet und in Betrieb genommen.

«Wir haben einen Berg versetzt» - Eröffnungsrede von Bundesrat Leuenberger (Mona Vetsch, 15.06.2007)

2006

Die Alptransit Gotthard bekommt mit Renzo Simoni einen neuen Chef.

«Gesunde Portion Respekt» - Renzo Simoni im «Tagesgespräch» (Emil Lehmann, 12.12.2006)

2009

Erste Etappe geschafft: Am 16. Juni erfolgt der Durchstich in der Oströhre des Gotthard-Basistunnels zwischen Amsteg und Erstfeld.

«Wenig Zwischenfälle» - Renzo Simoni im «Tagesgespräch» (Susanne Brunner, 16.06.2009)

2010

Durchschlag im Gotthard-Basistunnel zwischen den Multifunktionsstellen Sedrun und Faido. Zweihundert geladene Gäste erleben den historischen Moment im Tunnel. Verkehrsminister Moritz Leuenberger lobt in seiner Rede den Mut zum Tunnelbau.

Der grosse Tag im Tunnel: Stimmen, Töne, Emotionen. (Philipp Scholkmann, 15.10.2010)


2011
Der zweite Hauptdurchschlag in der Weströhre erfolgt voraussichtlich im April 2011.

2017
Nach dem Innenausbau des Tunnels und dem Einbau der Bahntechniks sollen voraussichtlich im Dezember 2017 die ersten Züge durch den Gotthard-Basistunnel rollen.

(gec)

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