Diskussion um EM-Boykott auch in der Schweiz
Ogi würde nicht gehen. (Reuters Archiv)
Von Inlandredaktor Peter Maurer
Einer, der Politik und Sport aus erster Hand kennt ist alt Bundesrat Adolf Ogi. Für ihn ist klar: Jetzt muss der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch handeln, sonst finden die Spiele in seinem Land ohne ausländische Besucher statt.
Ogi würde nicht in die Ukraine reisen
Würden die Honoratioren aus dem Westen tatsächlich ausbleiben, wäre dies «ein Eigengoal für die Ukraine», sagt Ogi gegenüber Schweizer Radio DRS. Janukowitsch müsse Julia Timoschenko nun rasch in ein westliches Spital zur Behandlung ihrer Erkrankung ausreisen lassen.
Als amtierender Sportminister würde er, so Ogi, auf jeden Fall nicht an die EM in die Ukraine reisen, wenn bis dahin in der Sache nichts passiere. Wenn es sich herausstellen sollte, dass die frühere Ministerpräsidentin Timoschenko im Gefängnis tatsächlich misshandelt worden sei, sei das «too much». Das könne nicht akzeptiert werden.
Sport nicht für politische Aktionen missbrauchen
Anders sieht das SVP-Nationalrat Jürg Stahl, Präsident der Schweizer Parlamentarier-Gruppe «Sport». Er hält nichts von solchen Boykott-Aufrufen. Der Sport dürfe nicht missbraucht werden für politische Aktionen, sagt Stahl.
Auch Stahls linke Sport- und Ratskollegin Hildegard Fässler von der SP sieht das ähnlich: «Das nützt nichts», ist Fässler überzeugt. Vielmer sollte bei der Vergabe von solchen Grossanlässen dafür gesorgt werden, dass die Spiele «gar nicht in solche Länder kommen.» Dagegen findet sie es «nicht sehr sinnvoll», jene Leute, die derzeit mit den Vorbereitungen der EM in der Ukraine beschäftigt sind, «ins Unrecht zu stellen».
Boykott bei Maurer kein Thema
Kein Thema ist der Boykott auch für Sportminister Ueli Maurer. Er wird Anfang Juni am EM-Eröffnungsspiel in der polnischen Hauptstadt Warschau auf der Tribüne Platz nehmen. Das bestätigt Departementssprecherin Sonja Margelist. Der Besuch sei ein Akt des Respekts gegenüber den Sportlern. «Sport mit Politik zu vebinden ist generell nicht opportun», so Margelist weiter.
Damit ist kein politischer Elfmeter der offiziellen Schweiz gegen die Mächtigen in der Ukraine in Sicht. (pet)
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