Fallpauschalen: Erpresst Helsana die Spitäler?
Die Helsana steht in der Kritik, weil sie Druck auf die Spitäler macht. (Keystone)
Von Inlandredaktor Christian Von Burg
Die Kritik ist heftig - und richtet sich vor allem gegen die Krankenkasse Helsana: «Wer zahlt, befiehlt», das sei deren Motto, sagt etwa Christian Hess, Chefarzt des Spitals in Affoltern am Albis. Im Kanton Zürich sei ein Viertel aller Versicherten bei der Helsana. Und wenn die Krankenkasse Rechnungen nicht bezahle, dann komme ein Spital in Engpässe: So habe das Spital Affoltern Notkredite aufnehmen müssen, im Umfang von 3 Millionen Franken.
Rechtliche Nötigung?
Noch schärfer formuliert es der Chefarzt für Kardiologie am Inselspital Bern: Es gehe nicht an, dass die Krankenkassen detailliert über Behandlungen der Patienten informiert würden, sagt Paul Mohacsi. Die ärztliche Schweigepflicht werde mit Füssen getreten. Der Kardiologe des Berner Universitätsspitals spricht gar von rechtlicher Nötigung.
Helsana wehrt sich
Die Krankenkassen seien verpflichtet, die Abrechnungen genau zu kontrollieren. Nur so könnten falsche Forderungen entdeckt werden, sagt Helsana-Sprecherin Claudia Wyss. Deshalb halte die Helsana Geld zurück: 4000 Rechnungen seien insgesamt ausstehend; beim Spital Affoltern gehe es gerademal um 200'000 Franken.
Zudem seien die Spitäler ihrerseits in Verzug mit den Rechnungen, die sie der Helsana stellten. Die Klagen über Liquiditätsprobleme seien absurd, so die Helsana-Sprecherin.
Krankenkassen müssen wissen, was sie bezahlen
Gesundheitsökonom Willy Oggier hat Verständnis für die Krankenkassen: Im Moment wisse keiner, wie abgerechnet werden soll. Und die Kassen, die alles bezahlten, wollten wissen, wie die Kosten zustande kämen. Die Krankenkassen hätten die Pflicht, die Rechnungen zu überprüfen, hält Gesundheitsökonom Oggier fest. Schliesslich gehe es auch darum, die Prämiengelder nicht zu verschleudern.
Wie gläsern müssen die Patienten sein?
Kassen und Leistungserbringer, das heisst Ärzte und Spitäler, streiten schon lange über die Frage, wie viele Patientendaten die Versicherer erhalten sollen, wenn das neue Finanzierungssystem gilt. Die Krankenkassen wollen möglichst viele Daten, die Leistungserbringer plädieren für möglichst wenige.
Das Parlament hatte einen Kompromiss gefunden: Die Spitäler codieren auf der Rechnung die Diagnosen, geben sie also verschlüsselt weiter. Der Bundesrat bestimmt, welche Daten unverschlüsselt weitergegeben werden. Und unverschlüsselte Daten gehen nur an den Vertrauensarzt. Bei Zweifeln an der Rechnung kann sich die Kasse an ihn wenden.
Krankenkassen wollen mehr
Gesundheitsökonom Oggier hat seine Zweifel, dass der Streit damit gelöst sein wird: Denn die Krankenkassen wünschten sich zur Kontrolle generell genauere Daten zu Krankheit und Behandlung der Patienten. Gesundheitsökonom Oggier geht deshalb davon aus, dass die Kassen gerichtlich vorgehen werden – und sich der Streit um die Patientendaten noch lange hinzieht. (smus)
Mehr zu den Stichwörtern:
