Kommission will Asylgesetz verschärfen
Für viele Asylsuchende ist die erste Station das Asylempfangs- und Verfahrenszentrum in Chiasso. (Keystone Archiv)
- Freitag, 15.6.2012: Protest gegen Asylentscheide
- Donnerstag, 14.6.2012: Nationalrat verschärft Asylgesetz nochmals
- Donnerstag, 14.6.2012: Nur noch Nothilfe für Asylbewerber
- Mittwoch, 13.6.2012: Die wichtigsten Entscheide des Nationalrates
- Dienstag, 12.6.2012: Maurer will grosses Asylzentrum des Bundes
- Donnerstag, 31.5.2012: Nothilfe für Flüchtlinge ist legal
Im April 2012 sind in der Schweiz 2426 Asylgesuche eingereicht worden. Dies sind 7,9 Prozent mehr als im Vormonat. Wichtigste Herkunftsländer im April waren Eritrea, Tunesien und Nigeria, wie das Bundesamt für Migration mitteilte.
351 Gesuche stammten aus Eritrea, 94 weniger als im Monat März. Aus Tunesien gingen 254 Gesuche ein (+54) und aus Nigeria 256 (+12). Weitere wichtige Herkunftsländer im April waren China mit 107 Gesuchen (58) und Afghanistan mit 101 Gesuchen (78). (sda)
Im Juni berät der Nationalrat über Änderungen des Asylgesetzes. Zur Vorbereitung hat sich die Staatspolitische Kommission des Nationalrates (SPK) damit befasst und es mit 15 zu 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen gutgeheissen.
Für die Parlamentsdebatte zeichnen sich harte Auseinandersetzungen ab. SP und Grüne lehnten das Gesetz ab. Die SVP stimmte dafür und zeigte sich zufrieden.
In vielen Punkten ist die SPK den Vorschlägen von Bundesrat und Ständerat gefolgt. So sprach sie sich dafür aus, dass Wehrdienstverweigerung kein Asylgrund mehr sein soll. Auch soll es nicht mehr möglich sein, auf einer Schweizer Botschaft im Ausland ein Asylgesuch einzureichen.
Familienasyl abschaffen
Die Kommission hat jedoch weitere Verschärfungen eingebaut. Unter anderem will sie das Familienasyl abschaffen: Die Familien von Flüchtlingen sollen den Flüchtlingsstatus nicht mehr erhalten. Diese Änderung geht auf eine parlamentarische Initiative von Philipp Müller (FDP) zurück.
Heute haben rund die Hälfte der Flüchtlinge ihren Status aufgrund des Familienasyls. Die Kritiker der heutigen Praxis sehen darin eine Besserstellung der Familienmitglieder von Flüchtlingen gegenüber anderen Zuwanderern. SP und Grüne befürchten dagegen, dass mit der Abschaffung des Familienasyls Familien auseinandergerissen würden.
Unterkünfte ohne Bewilligung
Weiter will die Kommission einen Passus zur Unterbringung von Asylsuchenden ins Gesetz einbauen: Anlagen des Bundes sollen auch ohne kantonale oder kommunale Bewilligung als Asylunterkünfte genutzt werden können, allerdings maximal für ein Jahr.
Umstrittene Nothilfe
Nur knapp abgelehnt hat die Kommission einen Antrag der SVP, allen Asylsuchenden nur noch Nothilfe zukommen zu lassen. Die Kommission hat das Justiz- und Polizeidepartement jedoch beauftragt zu prüfen, ob dies mit der Verfassung und der Flüchtlingskonvention vereinbar wäre.
Heute sind es die abgewiesenen Asylsuchenden sowie jene mit Nichteintretensentscheid, die nur Nothilfe erhalten. Der Betrag sei von Kanton zu Kanton verschieden und «das absolute Minimum», sagte Kurt Fluri (FDP). Die Linke befürchtet, dass der Antrag zur Nothilfe im Nationalrat angenommen werden könnte, wie Silvia Schenker (SP) sagte.
SVP zufrieden
Die Bürgerlichen benutzten die Vorlage für «inakzeptable Verschärfungen», kritisierte die SP-Nationalrätin. SVP-Nationalrat Heinz Brand zeigte sich seinerseits mit dem Erreichten zufrieden. Zwar habe die SVP ihr Maximalziel nicht erreicht, doch seien viele ihrer Vorschläge aufgenommen worden.
Der Nationalrat wird über 41 Minderheitsanträge abstimmen müssen. (luek;ank, sda)
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