Bundesrat schafft Notbremse bei den Hypotheken
Systemrelevante Banken wie die Credit Suisse müssen ihr Eigenkapital erhöhen, dazu gehören auch strengere Regeln bei den Hypotheken. (Keystone Archiv)
Von Wirtschaftsredaktorin Barbara Widmer
Zum Paket der Bankenregulierung gehört neu ein zusätzlicher Eigenkapitalpuffer, den der Bundesrat aktivieren kann, wenn sich die Situation auf dem Immobilienmarkt weiter verschärft. Es gebe gewisse Tendenzen, die auf eine Verschlechterung hinweisen, sagt Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Der Bundesrat wolle sich deshalb rüsten, falls sich die Situation weiter verschlechtern sollte.
Kapitalpuffer gegen Immobilienblase
Per Anfang Juli bereits, hat der Bundesrat die Möglichkeit einen neuen so genannten anti-zyklischen Kapitalpuffer einzuführen. Wenn die Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht Finma feststellen, dass die Banken übermässig und unvorsichtig Hypothekarkredite vergeben, dann können sie beim Bundesrat beantragen, dass er dieses Instrument aktiviert.
Für die Banken würde dies bedeuten, dass sie Hypothekarkredite neu mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegen müssen. Das würde einerseits die Vergabe von Hypotheken verteuern und zweitens den Risikoappetit der Banken in diesem Geschäftsbereich dämpfen. Ob der Bundesrat diesen Kapitalpuffer tatsächlich aktiviert ist noch offen.
Immer mehr Personen verpfänden Alterskapital
Wegen den rekordtiefen Zinsen kaufen immer häufiger auch Leute Wohneigentum, die es sich eigentlich nicht leisten können. Viele greifen dabei auf ihre Pensionskassen-Guthaben zurück. Es gebe immer mehr künftige Wohneigentümer, die ihre zweite Säule entweder verpfänden oder vollständig beziehen, um ihn Liegenschaften zu investieren. «Das ist mit erhöhten finanziellen Risiken verbunden», warnt Widmer-Schlumpf.
Wenn die Hypothekarzinsen stiegen – was absehbar sei – könnten die Liegenschaften für diese Eigentümer nicht mehr tragbar sein. Dies hätte dann zur längerfristig zur Folge, dass diese Liegenschaftsbesitzer im Alter von der AHV und von Sozialleistungen der Gemeinden leben müssten. «Das wollen wir eigentlich nicht», so Bundesrätin Widmer-Schlumpf.
Banken geben sich auch strengere Regeln
Solche Szenarien sind nicht aus der Luft gegriffen Unter dem Druck des Bundesrates und aus Angst, dass sonst noch strengere Regeln drohen könnten, willigten die Banken ein, sich via Selbstregulierung ebenfalls strengere Regeln zu geben.
Künftig dürfen sie deshalb nur noch 1O Prozent Eigenkapital aus der Pensionskasse akzeptieren, wenn ein Kunde oder eine Kundin ein Eigenheim kaufen will. Akzeptieren sie mehr als 10 Prozent, müssen sie den entsprechenden Hypothekarkredit ebenfalls mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegen.
Als dritte Neuerung verlangt die neue Eigenmittelverordnung des Bundesrates, dass riskante Hypotheken künftig amortisiert und zurück bezahlt werden müssen - innert 20 Jahren auf zwei Drittel des Darlehens. Auch dies eine weitere Massnahme gegen ein mögliche Blase auf dem Immobilienmarkt. (bat)
Mehr zu den Stichwörtern:
