Bundesrat sagt Ja zu Bahnverbot für Fussballfans
Der Bundesrat will gewissen Fussballfans den Bahnzutritt verbieten. (Keystone Archiv)
Randalierenden Fussballfans, die nicht im Extrazug anreisen wollen, sollen nicht befördert werden müssen. Der Bundesrat hat eine entsprechende Änderung des Personenbeförderungsgesetzes in die Vernehmlassung geschickt.
Mit der Gesetzesrevision reagiert der Bundesrat auf Basler Fanclubs, die sich weigerten, in den Extrazügen nach Bern zu reisen und direkt an der S-Bahn-Haltestelle beim Fussballstadion auszusteigen.
Stattdessen reisten sie in normalen Zügen an den Hauptbahnhof. Anschliessend zogen sie - wie von ihnen verlangt - in einem geschlossenen Fanumzug durch die Stadt zum Stadion.
Kein Anspruch auf Normalzüge
Die neue Regelung sieht nun vor, dass Fangruppen keinen Anspruch mehr auf eine Beförderung in fahrplanmässigen Zügen haben, wenn ihnen ein Extrazug zur Verfügung steht oder der Sportclub einen Zug gechartert hat. Dieses Prinzip soll auch bei Bussen angewandt werden.
Auf diese Weise werde erreicht, dass der öffentliche Verkehr sicher bleibe und unbeteiligte Passagiere möglichst geringen Risiken ausgesetzt werden, teilte das Bundesamt für Verkehr in einem Communiqué mit.
Eine neue Strategie einschlagen will der Bundesrat auch gegen Sachbeschädigungen in den Zügen. Für solche Schäden auf Extrafahrten sollen künftig die Klubs haften. Der Bundesrat erhofft sich davon, dass die Klubs wegen dieser Massnahme mehr Einfluss auf ihre Fans nehmen.
Sachbeschädigungen verhindern
Als vorbildlich gilt in diesem Zusammenhang ein Modell, das die SBB und die Berner Young Boys seit einiger Zeit anwenden. In Bern wurden Mitglieder der Fan-Organisationen zu Betreuern ausgebildet, die in den Fanzügen für Sicherheit und Sauberkeit sorgen.
Sie sollen deeskalierend wirken und Sachbeschädigungen verhindern. Schweizweit richten Fussballfans heute in Extrazügen jährlich Schäden von mehreren hunderttausend Franken an.
Der Bundesrat räumt ein, dass er mit der Vorlage nicht sämtliche Probleme rund um gewaltbereite Fangruppen lösen kann. Dafür brauche es weitere Anstrengungen in anderen Bereichen.
SBB zufrieden
Die vorgeschlagene Lockerung der Transportpflicht für Fangruppen bei Sportveranstaltungen trifft bei der SBB auf Zustimmung. Die Massnahme gehe in die richtige Richtung, sagte SBB-Sprecher Reto Kormann.
Mit den Vorschlägen der Regierung würden die Clubs und Fanorganisationen in die Pflicht genommen, und sie müssten mehr Verantwortung übernehmen, sagte Kormann. Das sei zu begrüssen.
Die SBB hofft, mit Hilfe solcher Massnahmen die Kosten mit Fanzügen zu senken oder ganz zu tilgen. Nach SBB-Angaben belaufen sich die Kosten - unter anderem wegen Ausschreitungen gewalttätiger Fans - auf 3 Millionen Franken pro Jahr.
Ausserdem soll die Massnahme auch die Sicherheit für das Personal und Passagiere steigern sowie die Pünktlichkeit der Züge verbessern helfen. (basn, sda)
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