Ausschreitungen nach dem Fussballabend in Luzern
Seit Beginn der Fussball-EM sind in Polen mehr als 500 Personen wegen Zwischenfällen in Stadien und Fanzonen festgenommen worden. Unter den 153 festgenommenen Ausländern stellen Russen (92) und Kroaten (16) die grösste Gruppe. Grösste Herausforderung für die Polizei war neben dem Eröffnungsspiel die Begegnung zwischen Polen und Russland am 12. Juni. Vor und nach dem Spiel kam es zu Ausschreitungen von Hooligans beider Länder, bei denen 20 Menschen verletzt wurden.
Jubel und Frust lagen nach den EM-Spielen Kroatien-Spanien und Italien-Irland in Luzern nahe beieinander. Nach Spielschluss gerieten vor dem Kultur- und Kongresshaus Luzern (KKL) mehrere hundert Fans aneinander, die dort zuvor die Spiele ihrer Mannschaften auf Grossleinwand verfolgt hatten.
500 Kroatien-Fans gegen die Polizei
Dampf ablassen mussten offenbar vor allem die Kroatien-Fans, deren Team den Einzug in das Viertelfinal verpasst hatte. Den Polizisten gelang es zwar, die Gruppen auseinander zu halten, wie die Kantonspolizei mitteilte. Doch dann wurden die Einsatzkräfte selbst zur Zielscheibe der laut Polizei rund 500 Kroatien-Fans.
In dieser Phase setzte die Polizei Wasserwerfer und Gummischrot ein, um die Fans zurückzudrängen. Eine Durchfahrt in Luzerns Zentrum wurde gesperrt. Erst nach Mitternacht begannen sich die Gemüter und die Situation zu beruhigen. Über Verletzte liegen der Polizei keine Angaben vor. Die Schlägerei habe aber zu Sachschaden geführt, hiess es.
Keine parallelen Spiele mehr
Die Verantwortlichen der Stadt Luzern haben nun in Absprache mit der Polizei die Auflagen für das Public Viewing verschärft: Am Dienstagabend werde es keine Parallelübertragung mehr geben, sondern es werde nur das Spiel England - Ukraine gezeigt, teilte die Stadt mit.
Zudem kündigten die Behörden an, bis vor Spielbeginn am Dienstagabend das gesamte Sicherheitskonzept des Public Viewings zu überprüfen und allenfalls anzupassen. Sollte es zu weiteren Ausschreitungen auf öffentlichem Grund kommen, will die Stadt den Veranstaltern die Bewilligung für die Public Viewings entziehen.
Fussballfan im Kanton Aargau verprügelt
Wegen einer Italien-Fahne, die er aus seinem Auto hielt, ist zudem in Aarburg AG ein 19-Jähriger spitalreif geprügelt worden. Drei Insassen eines anderen Autos hatten den jungen Mann - einen türkischen Staatsangehörigen - auf offener Strecke zum Anhalten gezwungen, aus dem Auto gezerrt und verprügelt, wie die Aargauer Kantonspolizei mitteilte.
Danach machten sich die Schläger davon. Den Fahrer des Autos konnte die Polizei später an seinem Wohnort festnehmen. Es handelt sich um einen 22-jährigen Kosovaren. Die beiden Komplizen werden noch gesucht.
Die Freundin des Opfers alarmierte die Polizei und brachte ihren Freund ins Spital, wo Prellungen im Gesicht sowie ein Verdacht auf Hirnerschütterung und Nasenbeinbruch festgestellt wurden. (pet, sda)
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