Die Jagd auf den Biber ist eröffnet
Die Biber erobern ihren Raum zurück. (SRF)
Ab 16. Juli 2012 gilt in der Schweiz eine neue Jagdverordnung. Diese regelt, dass Biber gefangen und getötet werden dürfen, wenn sie Dämme oder Strassen stark beschädigen. In den Kantonen Aargau und Solothurn dürfte dies nicht nötig sein. Mehr
Von Inlandredaktor Christian von Burg
Selbst Experten sind überrascht wie schnell sich der Biber in den letzten Jahren verbreitet hat. Etwa 2000 Tiere gibt es unterdessen in der Schweiz. Die nachtaktiven Nager besiedeln immer neue Gebiete: Städte, Kanäle, kleinere Bäche. Die Wiederansiedlung von Bibern gilt als Erfolgsgeschichte für den Naturschutz.
Sie hat aber auch Schattenseiten, zum Beispiel in Kleinandelfingen an der Thur. Dort grub sich ein Biber in den Strassendamm bis die Strasse einzubrechen drohte. «Der Bibertunnel führte gleich zweimal unter der Strasse hindurch, an einer Stelle hat der Biber sogar einen Wohnkessel gebaut», sagt Gemeinderat Roger Keller gegenüber Schweizer Radio DRS. Die Reparatur habe 25'000 Franken gekostet.
In teuren Schadensfällen werden Biber «reguliert»
Das ist vergleichsweise günstig. Bei grösseren Strassen oder Eisenbahnlinien koste das schnell mehr als 100'000 Franken, sagt Reinhard Schnidrig, zuständig für Wildtiere beim Bundesamt für Umwelt (Buwal). «In solchen Fällen kann man fast nichts anderes tun, als - zumindest kurzfristig - Biber zu regulieren: Das heisst einige Familien einzufangen und dann wegzunehmen.» Die Biber sollen also gefangen und getötet werden. Das lässt die neue Jagdverordnung zu, die am Montag in Kraft getreten ist.
Schnidrig rechnet damit dass es im Thurgau, im Berner Seeland und im Unterwallis bald entsprechende Anträge geben wird. Dort sind die Biber stark am Graben.
Naturschützer fordern mehr Platz für Biber
«Solche Abschüsse bringen nichts», sagt dagegen Miriam Ballmer von der Naturschutzorganisation Pro Natura. Nach einem Abschuss rücke bald die nächste Biberfamilie nach. Ballmer sieht eine andere Lösung: «Die Gewässer brauchen mehr Raum. Wenn man den gewährt, hat der Biber auch mehr Platz und wird seltener in die Landwirtschaftszone vordringen.»
Auch für Schnidrig ist das die beste Lösung. Der Kompromiss beim neuen Gewässerschutzgesetz sieht genau das vor. In verschiedenen Kantonen regt sich aber Widerstand. So wird es wohl bald noch viele weitere Löcher in Dämmen unter den Strassen geben. Etliche Biber werden unter dem neuen Jagdregime ihr Leben lassen müssen. (nab)
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