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Mittwoch, 8.8.2012

Basler Friedensinstitut entlässt Johan Galtung

Der norwegische Soziologe Johan Galtung gilt als Gründervater der Friedens- und Konfliktforschung. Bis vor kurzem war der 81-Jährige an der Basler World Peace Academy als Gastdozent tätig. Nun aber kam es zum Bruch zwischen Galtung und dem Institut.

Johan Galtung. (Keystone Archiv)

Von Regionalkorrespondent Gaudenz Wacker

Angeblich antisemitische Äusserungen kratzen am Lack des renommierten Friedensforschers Johan Galtung. So soll der Träger des alternativen Nobelpreises vor knapp einem Jahr öffentlich eine Verbindung hergestellt haben zwischen dem norwegischen Attentäter Anders Breivik und dem israelischen Geheimdienst.

Bei anderer Gelegenheit soll er sich zur Behauptung verstiegen haben, die überwiegende Mehrheit der Medien weltweit sei von jüdischen Firmen kontrolliert. Solche Aussagen wurden von Medien immer wieder kolportiert.

Nicht mehr Gastdozent in Basel
Nun haben sie an der World Peace Academy in Basel das Fass zum Überlaufen gebracht: Das Friedensforschungs-Institut will nichts mehr von Galtung wissen. Die World Peace Academy trennt sich vom norwegischen Star-Friedensforscher und lädt ihn nicht mehr als Gastdozent ein.

Die Leitung der Akademie habe sich die Trenung von Galtung nicht leicht gemacht, sagt der Basler alt Nationalrat Remo Gysin, Mitglied des akademischen Beirats des Friedens-Instituts. Gegenüber Schweizer Radio DRS tönt Gysin an, man habe eigentlich gut mit Galtung zusammengearbeitet. Aber entscheidend sei die Akzeptanz der Academy. Es könne deshalb vorkommen, dass man sich von jemandem trennen müsse, «der die Akzeptanz der Institution in Frage stellen lässt.»

Uni Basel findet Trennung «sinnvoll und vernünftig»
Das Abschluss-Diplom der World Peace Academy ist von der Universität Basel zertifiziert. Insofern ist das Friedensforschungs-Institut lose mit der Uni Basel verbunden. Ansonsten aber sei die World Peace Academy unabhängig von der Uni, sagt Universitäts-Sprecher Matthias Geering.

Zwar mische sich die Uni Basel nicht in Programme ein, die wie jenes der Academy konzipiert seien. Die Diskussionen um die umstrittenen Äusserungen des Friedensforschers zeigten aber, dass es «sehr sinnvoll und vernünftig» sei, dass man sich nun von Galtung trenne, so Geering weiter.

Friedensforscher Jahn würde Galtung zur Rede stellen
Auch er könne die Trennung von Galtung verstehen, sagt der deutsche Friedensforscher Egbert Jahn. Allerdings legt er Wert auf die Aussage, dass er selber in Fällen dieser Art anders vorgehe: Er würde sich den Angeklagten zur Brust nehmen, ihn also zwingend zur Rede stellen.

Inhaltlich könne er nicht Stellung nehmen zu Galtungs Äusserungen, die ihm im norwegischen Original vorlägen, er aber nicht exakt übersetzen könne, sagt Jahn.

Galtung übe «kulturelle Gewalt» aus
Galtung habe sich in den vergangenen Jahren wiederholt zu «provokanten Verkürzungen von Sachproblemen verleiten» lassen - «aus Protest gegen Macht- und Gewaltpolitik», sagt Jahn. Dadurch mache Galtung selber aber genau das, was er eigentlich ablehne - nämlich «kulturelle Gewalt auszuüben». Galtung bestätige also häufig Vorurteile, so Jahn. «Das halte ich für schädlich - in der Sache, wie auch in der Friedensforschung.»

Johan Galtung selber war für Radio DRS kurzfistig nicht zu erreichen: Der 81-jährige Friedensforscher weile in Genf an einer Sitzung mit Uno-Vertretern, hiess es beim Galtung-Institut im deutschen Grenzach bei Basel. (pet)

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Radiobeitrag von Gaudenz Wacker (8.8.2012)
Hören (3:43)

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