Chancen für «Schutz vor Passivrauchen»
In bedienten Restaurants soll künftig nicht mehr geraucht werden dürfen. Das will die Initiative «Schutz vor Passivrauchen». (Keystone)
Für die repräsentative Erhebung befragte GFS Bern zwischen dem 06. August und dem 11. August 2012 insgesamt 1203 Stimmberechtigte mit Wohnsitz in der Schweiz. Mittlerer Befragungstag war der 7. August 2012. Für die Befragung wurden 701 Interviews in der deutsch-, 301 in der französisch- und 201 in der italienischsprachigen Schweiz geführt. Der Stichprobenfehler liegt bei -/+ 2,9 Prozentpunkten.
Die Meinungsbildung für die Abstimmung vom 23. September ist noch nicht abgeschlossen. Daher sind auch die Befragungen mehrere Wochen vor der Abstimmung mit einiger Vorsicht zu geniessen. Doch wäre bereits Anfang August abgestimmt worden, wären alle drei Vorlagen angenommen worden. Das zeigt die erste Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern im Auftrag der SRG.
Raucher dagegen – Frauen dafür
Demnach wäre eine Mehrheit von 59 Prozent dafür, die Rauchverbote in der ganzen Schweiz einheitlich und strenger zu regeln. 36 Prozent gaben an, dagegen zu sein.
Nur 5 Prozent waren Anfang August noch unschlüssig, was sie am 23. September diesbezüglich abstimmen werden. Dabei fällt – nicht ganz unerwartet – auf, dass die Mehrheit der Raucherinnen und Raucher die Vorlage eher ablehnen. Dagegen würden 68 Prozent der Nichtrauchenden der Initiative zustimmen.
Nicht nur das Rauchverhalten hat einen Einfluss sondern auch das Geschlecht: Deutlich mehr Frauen sind für die strengeren Regeln. Bei den Männern würde momentan nur eine knappe Mehrheit zustimmen.
20 Prozent noch unentschlossen
Auch für die Initiative «Sicheres Wohnen im Alter» ergab sich bei der Umfrage eine Ja-Mehrheit. 55 Prozent sind momentan dafür, dass Rentnerinnen und Rentner den Eigenmietwert nicht mehr versteuern müssen. Dagegen sprachen sich 25 Prozent aus. Ein Fünftel derjenigen, die am 23. September abstimmen, hat sich seine Meinung allerdings noch nicht gemacht.
Nein-Anteil nimmt wahrscheinlich zu
Die Forscher weisen in ihrem Bericht darauf hin, dass bei Volksinitiativen der Nein-Anteil im Verlauf der Kampagne fast immer zunehme und sich die die Bereitschaft zur Zustimmung in der Regel verkleinere. Diese Tatsache senke die Aussichten auf ein Ja bei beiden Volksinitiativen. Ausserdem können die Forscher keine Prognosen zum Ständemehr machen, das für beide Initiativen nötig wäre.
Diskussion um Rauchverbot in Einzelbüros
Es gibt sogar konkrete Hinweise auf einen möglichen Umschwung bei der Nichtraucher-Initiative. In der Umfrage stimmten sehr viele Befragte den wichtigsten Argumenten gegen die Initiative zu. Sie erklärten nämlich, die heutige Regelung sei gut und die Initiative sei eine Zwängerei.
Eine Rolle spielen könnten auch Unklarheiten bei der Auslegung. Verbietet die Initiative das Rauchen in Einzelbüros ausnahmslos? Nein, versichern die Befürworter. Doch, warnen die Gegner. Schaden dürfte die Diskussion den Befürwortern, vermutet Studienleiter Claude Longchamp. Die Diskussion um ein Rauchverbot an Einzelarbeitsplätzen dürfte die zentrale Kontroverse sein, die im Abstimmungskampf Befürworter und Gegner trennen werde, so Longchamps.
Mehrheit für Musikförderung
Deutlich sind die Zahlen auf den ersten Blick bei der dritten Vorlage, dem Bundesbeschluss zur Jugendmusikförderung. Dazu hätten Anfang August 68 Prozent der Stimmwilligen ein Ja eingelegt. Nur 23 Prozent waren dagegen, 9 Prozent hatten sich noch nicht entschlossen.
Doch dieser Gegenvorschlag von Bundesrat und Palament zur Initiative «Jugend + Musik» ist trotz der hohen Zustimmung noch nicht unter Dach und Fach. Vor allem wenn einzelne Parteien ihre Meinung ändern und entgegen dem Abstimmungsverhalten im Parlament nun die Nein-Parole herausgeben sollten, könnte es auch hier knapp werden Die FDP hat diesen Umschwung bereits vollzogen.
Unterdurchschnittliche Beteiligung
Die Vorlagen stossen bei den Stimmberechtigten bisher nicht auf allzu grosses Interesse. Laut der GFS-Umfrage hätten sich Anfang August nur 38 Prozent beteiligt. Gemessen an den Werten der vergangenen vier Jahre, die im Schnitt bei ca. 45 Prozent lagen, ist das eher unterdurchschnittlich. (luek/meid)
Download zum Beitrag:
Mehr zu den Stichwörtern:
