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  • Schweiz:
  • Der Einstieg in den Atomausstieg:

Chronologie der Atomenergie

Die Atomenergie hat eine mehr als hundertjährige Geschichte. Vor über 50 Jahren, Ende 1951, lieferte zum ersten Mal ein Atomkraftwerk Strom. Nach mehreren Katastrophen steht die Atomenergie inzwischen in vielen Ländern auf dem Prüfstand - auch in der Schweiz.

1890 Erste Experimente zur Radioaktivität (Antoine Henri Becquerel, Marie und Pierre Curie).
1938 Entdeckung der Kernspaltung (Otto Hahn, Fritz Strassmann).
1939 Die Kernspaltung kann theoretisch erklärt werden (Lise Meitner, Otto Frisch).
1942 Erste kontrollierte nukleare Kernreaktion (in einem Test-Kernreaktor in Chicago).
16.07.1945 Erster Atombombentest in den USA («Trinity-Test»).
20.12.1951 Erstmals erzeugt ein Forschungsreaktor im US-Bundesstaat Idaho elektrischen Strom.
1954 In Obninsk bei Moskau wird das weltweit erste kommerzielle Kernkraftwerk in Betrieb genommen. Leistung: 5 Megawatt.
1955 In der Schweiz gründet der ETH-Physiker Paul Scherrer zusammen mit der Brown Boveri AG und mehreren Dutzend weiteren Firmen in Würenlingen/AG die Reaktor AG.

Dort kommt auch der erste Forschungsreaktor in der Schweiz zu stehen, ein in den USA entwickelter so genannter Schwimmbadreaktor namens Saphir. Die Reaktor AG wird 1960 dem Bund übergeben und später in Paul Scherrer Institut PSI umgetauft.
1956 Im nordwestenglischen Sellafield nimmt das erste kommerzielle Kernkraftwerk im Westen seinen Betrieb auf. Leistung: 50 Megawatt.
1960 In der Schweiz vereinbaren die interessierten industriellen Kreise und der Bund den gemeinsamen Bau eines Versuchsreaktors in Lucens/VD, 1961 wird der Bau des unterirdischen Reaktors in Angriff genommen. Technische Probleme führen zu Verzögerungen, deshalb ist der Reaktor erst Ende 1968 bereit für den Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt ist er aber bereits technisch veraltet.
1961 Inbetriebnahme des ersten kommerziellen Kernkraftwerks in Deutschland (Kahl in Karlstein am Main). Leistung: 15 Megawatt.
21.01.1969 Beim Hochfahren des Schweizer Versuchsreaktors in Lucens kommt es zum Kontrollverlust und einer teilweisen Kernschmelze. Der Moderatortank birst explosionsartig und schweres Wasser wird zusammen mit radioaktivem Material durch die Reaktorkaverne geschleudert. Die Havarie des Lucens–Reaktors zählt auch weltweit zu den nennenswerten Reaktorunfällen.
1969 Das erste Kernkraftwerk in der Schweiz geht ans Netz: Beznau I. Leistung: 365 Megawatt. Der Reaktor wurde in den USA entwickelt.
1972 In der Schweiz folgen Beznau II, ein zweiter, baugleicher Reaktor wie Beznau I, sowie das Atomkraftwerk Mühleberg. Im Gegensatz zu den Druckwasserreaktoren in Beznau handelt es sich beim Kraftwerk in Mühleberg um einen Siedewasserreaktor. Dieser hat nur einen Wasser/Dampfkreislauf, der Druckwassergenerator deren zwei.
28.03.1979 Im Atomkraftwerk von Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania kommt es zu einer teilweisen Kernschmelze, ein GAU - Grösster Anzunehmender Unfall - kann nur knapp verhindert werden.
1979 Das Kernkraftwerk Gösgen nimmt seinen Betrieb auf. Es ist mit zunächst 970 Megawatt Leistung (heute: 1020 Megawatt) das erste AKW der Schweiz der 1000-Megawatt-Klasse. Gösgen allein produziert heute rund 15 Prozent des schweizerischen Strombedarfs.
1984 In Leibstadt geht das fünfte und zugleich leistungsstärkste Atomkraftwerk der Schweiz in Betrieb. Leistung: 1165 Megawatt.
26.04.1986 Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl. Eine Panne in dem ukrainischen AKW (damals Sowjetunion) führt zu einer Kernschmelze und schliesslich zum GAU, zur Explosion des Reaktors. Wieviele Menschen dabei und in der Folge den Tod fanden oder Strahlenschäden davontrugen, ist umstritten.
1989 Das Projekt für ein sechstes Schweizer AKW in Kaiseraugst wird nach jahrelangem Widerstand von Umwelt- und Politaktivisten ad Acta gelegt. Die Katastrophe von Tschernobyl dürfte die Abkehr von der Atomenergie in Bevölkerung und Politik bewirkt haben.
1990 Das Schweizer Stimmvolk nimmt die Volksinitiative für ein Atom-Moratorium an. Damit darf bis ins Jahr 2000 kein neues AKW gebaut werden.
2007 Mit der absehbaren Verringerung der Schweizer Stromproduktion in Folge der Abschaltung der ältesten Schweizer Atomkraftwerke (ab ca. 2020, nach 50 Betriebsjahren) wird die Diskussion um den Bau neuer Kernkraftwerke lanciert.
2008 Es liegen drei Gesuche für den Bau neuer Atomkraftwerke auf dem Tisch. Der Axpo-Konzern hat im Dezember zusammen mit der BKW ein Gesuch für den Bau von zwei Atomkraftwerken als Ersatz für die drei Reaktoren in Beznau und Mühleberg gestellt. Der Energiekonzern Alpiq, der aus der Fusion der EOS und der Atel hervorgegangen ist, hat bereits im Sommer um den Bau eines neuen Atomkraftwerks ersucht.
2010 Die drei Stromkonzerne Alpiq, Axpo und BKW teilen im Dezember mit, dass sie künftig in einer gemeinsamen Planungsgesellschaft für den Bau neuer Atomkraftwerke zusammen arbeiten sollen. Dort sollen die Planungen für alle drei AKW-Projekte, für die Gesuche eingereicht worden sind, weiterbetrieben werden, bis der Bundesrat eine Entscheidung fällt.
2011

Nach der Atomkatastrophe in Japan im März sistiert Energieministerin Doris Leuthard die laufenden Rahmenbewilligungsverfahren für neue Atomkraftwerke. Am 25. Mai trifft der Bundesrat einen «historischen» Entscheid: Die Landesregierung spricht sich für einen schrittweisen Atomausstieg aus. Die bestehenden Atomkraftwerke sollen am Ende ihrer Betriebsdauer - zwischen 2019 und 2034 - nicht ersetzt werden.

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Ein Land in Atomeuphorie

Wissenschaft, DRS2, 25.5.2007, 06:19 Vor fünfzig Jahren, im Mai des Jahres 1957, begann in der Schweiz das Atomzeitalter. Damals wurde in Würenlingen, AG der erste Atomreaktor auf heimischem Boden in Betrieb genommen. Der Reaktor mit dem schillernden Namen «Saphir» war nicht nur Ausdruck der damals vorherrschenden Atomeuphorie, die Geschichte rund um diesen Versuchsreaktor bietet auch ein Lehrstück für die schweizerische Industrieforschung.

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30 Kilometer Strahlung - eine Reise in die Sperrzone von Tschernobyl

Passage 2, DRS2, 24.10.2006, 56:29 Antje Drinnenberg und Manuel Hoffmann sind 20 Jahre nach der Katastrophe in die Sperrzone Tschernobyl gefahren. Sie trafen alte Frauen, die sich von Gemüse aus ihrem Garten ernähren, Kraftwerksarbeiter, die einen Tag nach der Katastrophe wie gewohnt zur Arbeit gingen, und sie trafen Menschen, die sich heute sehnlichst wünschen, dass das Atomkraftwerk wieder ans Netz geht.

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Dossier: Der Einstieg in den Atomausstieg
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