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Montag, 9.4.2012

Die Reichen in den Käfigen

Ostermontag: in Brasilien kein Feiertag - und so beginne ich meine Interviews. Ich spreche mit einem Experten des WWF über Dämme, mit einer Mitarbeiterin der NGO Reporter Brasil über soziale Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft und mit Oded Grajev, dem Gründer des Weltsozialforums - dem wirtschaftskritischen Gegenentwurf zum WEF in Davos.

Gitterschleusen vor den Häusern in São Paulo. (Thomas Häusler / SRF)

Grajev war selbst lange Unternehmer in Brasilien, ist also kein in der Wolle gefärbter Berufsrevolutionär. Obwohl die Interviews verschiedene Themen berührten, eine Quintessenz lässt sich ziehen: viele Probleme in Brasilien lassen sich auf einen Punkt zurückführen: die grosse Kluft zwischen Arm und Reich.

Elend in der reichen Stadt
Diese Kluft ist auch hier zu spüren in São Paulo - einer reichen Stadt, wie alle betonen. Trotzdem lebt ein Drittel der Menschen in Favelas, wie hier die Slums genannt werden. Viele haben keine Jobs, nur eine Hütte. Ein Kaffee in São Paulo kostet aber leicht 5 Franken, eine Busfahrt 1.50 Franken bei einem Mindestlohn um die 350 Franken.

Ein augenfälliges Sinnbild dieser Kluft begegnet einem im Zentrum der Stadt auf Schritt und Tritt: Die doppelte Sicherheitsbarriere. Vor fast jedem grösseren Haus, gibt es nicht nur einen Zaun, oft mit vierfachem Elektrodraht oben drauf. Der Eingang ist doppelt gesichert: zwei Gittertüren hintereinander, eine Schleuse gegen das Böse von aussen. Bewacht von einem bissigen Portier.

Reiche hinter Gittern
Anders betrachtet, bilden die beiden Gittertüren hintereinander einen Käfig, durch den jeder gehen muss, der ins Haus will, oder wieder hinaus. Wirklich frei sind also auch die Reichen nicht.

Nachtrag 14. April: Heute habe ich gar einen Dreifachkäfig gesehen.

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