Korrupte Sportverbände - Regeln sollen her
Hauptquartier des Weltfussballverbandes Fifa in Zürich. (Keystone)
Von Inlandredaktor Sascha Buchbinder
Das Problem mangelnder Transparenz und Aufsicht betrifft nicht nur den Fussballverband sondern geht darüber hinaus. Fast 60 internationale Sportverbände haben ihren Sitz in der Schweiz. Das sind alles Organisationen, die in Korruptionsfällen rechtlich praktisch unantastbar sind.
Die Schmiergelder von 142 Millionen Franken, die beim Weltfussballverband Fifa geflossen sind, wirken heute, ein Jahrzehnt später, wie Sand im Getriebe. Auf einmal rücken die Machenschaften beim Fussballverband wieder in den Fokus und die Öffentlichkeit fragt sich, wie korrupt die Sportverbände sind.
Sportmanager Roland Rino Büchel meint, dass da eine rote Linie überschritten wurde: «Man hat es nun schwarz auf weiss auf offiziellen Papieren, dass die Branche unsauber arbeitet. 142 Millionen geschmiertes Geld. Das ist nicht gut.»
Druckmittel gewünscht
Seit diese Summe im Raum stehe, werde er aus der ganzen Welt mit Anfragen bestürmt. Aber auch auf nationaler Ebene seien viele Kollegen aufgeschreckt, meint der SVP-Nationalrat.
Öffentliche Aufmerksamkeit ist wichtig, meint Mark Pieth, Strafrechtsprofessor und Präsident der Gruppe, die für die Fifa ein neues, internes Regelwerk zur Korruptionsbekämpfung erarbeitet hat. «Ich wünschte mir, dass wir mehr Druck hätten von aussen, zum Beispiel von den Medien.» Aber auch staatlicher Druck, der sehr spezifisch wäre, wünscht sich Pieth.
Viele Sportverbände untätig
Morgen Dienstag zeigt sich, ob die Fifa bereit ist, tatsächlich Nägel mit Köpfen zu machen. Aber selbst wenn im Fussball eine neue Ära beginnt, so bleiben viele Sportverbände, die überhaupt nichts gemacht haben: «Zum Beispiel Handball oder Volleyball. Auch bei ihnen müssen Regulierungen her.» Und da habe das Bundesamt für Sport Baspo eine ganz wichtige Bedeutung.
Ohne Strafanzeige keine Ermittlung
Das Bundesamt für Sport arbeitet seit 2010 an einer Auslegeordnung. Bis Ende Jahr soll der Bericht vorgelegt werden. Fest steht: die professionellen Verbände werden wie gemeinnützige Vereine behandelt. Es fehlen Kontrollmöglichkeiten. Und selbst wenn Korruptionsfälle auffliegen: Ohne Strafanzeige kann die Justiz nicht einmal ermitteln.
Welche Massnahmen das Bundesamt für Sport vorschlagen wird? Direktor Matthias Remund gibt sich bedeckt. Aber ja: Handeln sei nötig. «Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Sportverbände, die auf Vereinsrecht basieren heute grosse Unternehmungen sind. Der Sport ist weltweit global organisiert. Dementsprechend haben die Verbände Normen zu erfüllen, die für grosse Unternehmen gelten.»
Vereinsrecht wird nicht gerecht
Allein die Fifa verwaltet heute ein Vereinskässeli von 1,3 Milliarden Franken. Das alte Vereinsrecht wird solchen Realitäten nicht mehr gerecht. Gefragt sind neue Regeln: die Offenlegung von Bezügen, Amtszeitbeschränkungen. Ausserdem sind im Parlament sind zwei Vorstösse hängig, die darauf abzielen, Bestechung auch ohne Anzeige, von Amtswegen zu verfolgen.
Für Nationalrat Büchel jedenfalls ist klar: «Ich glaube, jetzt kann man die Augen wirklich nicht mehr schliessen. Auch wenn es Leute gegeben hat oder noch gibt, die das gerne tun würden.» (basn)
Mehr zu den Stichwörtern:
