USA wiesen Briten schon 2008 auf Libor-Mängel hin
Die Notenbank von New York. (Archiv Reuters)
In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Grossbanken gerät die britische Notenbank zusehends in Erklärungsnot. Die US-Notenbank (Fed) hat Dokumente veröffentlicht, die beweisen, dass sie im Juni 2008 auf erste Zweifel an der Festsetzung des Libor in London sofort reagiert hat.
Geithner schlug Musterverfahren vor
Damals empfahl der damalige Fed-Regionalchef Timothy Geithner dem Chef der Bank of England (BoE), Mervyn King, in einem privaten E-Mail sechs Möglichkeiten, um die Glaubwürdigkeit des Libor-Satzes zu stärken. Unter anderem schlug er ihm vor, so etwas wie Musterverfahren einzuführen, um den Libor festzusetzen, auch um unbeabsichtigte oder vorsätzliche Falschmeldungen zu vermeiden.
Die BoE hat bereits Andeutungen des Ex-Chefs der britischen Bank Barclyas, Bob Diamond, zurückgewiesen, dass sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise falsche Angaben zur Ermittlung des Libor-Satzes gutgeheissen habe. Barclays hatte als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Diamond trat danach als Barclays-Chef zurück.
Auch EU erhöht Druck
EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia drohte am Freitag mit eingreifenden Massnahmen in den Bankensektor, sollte sich der Manipulationsverdacht bestätigen.
Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ein mutmassliches Kartell, das bei der Feststellung von Interbanken-Zinsen zusammengearbeitet habe, erklärte er in Lissabon. Sollte sich der Verdacht der Beeinflussung bestätigen, «werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um einen Kulturwechsel im Bankensektor anzutreiben», sagte Almunia. Die EU räume der Untersuchung eine hohe Priorität ein.
Forderungen von 14 Milliarden erwartet
Analysten der US-Grossbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Milliarden Dollar zukommen könnten. Einer ganzen Reihe von internationalen Grossbanken - darunter auch UBS, Credit Suisse, JP Morgan, Deutsche Bank, Société Générale und HSBC - wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.
Der Londoner Interbankenzins wird einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar. (nab;pet, reuters)
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