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  • Die Schuldenkrise in Europa:

Die Schuldensünder im Überblick

Die Sorgenkinder des Euro-Raums sind vor allem im Süden des Kontinents zu finden: Griechenland, Portugal, Italien und Spanien haben die Gemeinschaftswährung gehörig unter Druck gebracht. Doch auch in Irland ist die Situation dramatisch.

Griechenland

Griechenland war im Frühjahr 2010 das erste Euro-Land, das internationale Hilfe in Anspruch nehmen musste. Sie kam aber noch nicht aus dem Euro-Rettungsschirm - dieser wurde erst später geschaffen - sondern aus einem speziellen Hilfspaket für Griechenland, das EU und IWF zusammen geschnürt hatten. Das erste Hilfspaket hatte einen Umfang von 110 Milliarden Euro.

Im Gegenzug für die Hilfe musste Athen versprechen, das Defizit im Jahr 2011 auf 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Das war nur über ein Sparpaket möglich, das bis 2015 ein Volumen von 30 Milliarden Euro hat. Es umfasste schmerzhafte Einschnitte für den öffentlichen Dienst: Gehälter und Zulagen wurden gekappt und Stellen gestrichen. Die Mehrwertsteuer wurde auf 23 Prozent erhöht und auch bei den Renten wird gespart. In der Folge sanken die Löhne um bis zu 25 Prozent, der Konsum fiel dramatisch.

Trotzdem konnte das Ziel nicht erreicht werden. Der Fehlbetrag im Staatshaushalt belief sich 2011 auf 9,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) - das war etwas weniger als die 10,3 Prozent im Vorjahr. Die Wirtschaftsleistung ging 2011 um fast 8 Prozent zurück - nach 4,5 Prozent im vorangegangenen Jahr. Die Arbeitslosigkeit betrug Ende 2011 mehr als 20 Prozent.

Im Februar 2012 vereinbarten Athen, Euro-Länder, IWF und private Gläubiger ein zweites Hilfspaket: 130 Milliarden kommen von der öffentlichen Hand, zudem verzichten die privaten Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer ausstehenden Kredite. Nur so kann bis 2020 die Schuldenlast Athens auf rund 120 Prozent des BIP gesenkt werden, wird gehofft.

Irland

Irland musste sich 2010 beispiellos neu verschulden. Nachdem das Defizit 2009 bereits bei rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gelegen hatte, schnellte es 2010 auf 32 Prozent hoch - ein Wert, der zehn Mal so hoch ist, wie die im Vertrag von Maastricht erlaubte Obergrenze. Auch 2011 lag die Neuverschuldung noch immer bei über 13 Prozent des BIP.

Grund für das Schuldendesaster sind vor allem die Milliarden-Ausgaben zur Rettung heimischer Banken. Die irische Regierung geht davon aus, dass das Land dafür bis zu 50 Milliarden Euro aufbringen muss. Lange hiess es aus Dublin, man werde die Situation allein bewältigen können. Mitte November 2010 bat die irische Regierung aber die EU und den IWF um Finanzhilfe, es wurde ein Rettungspaket im Umfang von 85 Milliarden Euro geschnürt. Rund 68 Milliarden Euro steuerten die internationalen Geldgeber bei, den Rest muss Irland alleine schultern.

Die strengen Auflagen hält das Land bislang ein, wie die vierteljährlichen Ortsbesuche der internationalen Kontrolleure ergeben haben.

Inzwischen sind wieder erste Lichter am Ende des Tunnels zu sehen. Die Wirtschaft wuchs 2011 um 0,7 Prozent-  das erste Wachstum nach mehr als drei Jahren Rezession. Die Arbeitslosigkeit ist mit 14,5 Prozent aber weiter hoch. Die Gesamtverschuldung liegt bei derzeit rund 160 Milliarden Euro.

Portugal

Die Wirtschaft des kleinen Landes am Atlantik schwächelt seit zehn Jahren und steckt ebenfalls in einer Rezession.

Bereits im Jahr 2009 betrug die Neuverschuldung in Portugal 9,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die Regierung vereinbarte deshalb zusammen mit der wichtigsten Oppositionspartei ein drastisches Sparprogramm mit Kürzungen bei Sozial- und Militärausgaben. Aufgrund der Sparanstrengungen betrug das Defizit 2010 noch gut 7 Prozent, allerdings nahm die Gesamtverschuldung zu: Sie dürfte bis 2012 auf 92 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Erlaubt sind nach den EU-Verträgen maximal 60 Prozent.

Trotz der Sparanstrengungen verschlechterte sich die Finanzlage Portugals zu Beginn des Jahres 2010 zusehends. Die Regierung des früheren Ministerpräsidenten José Socrates musste deshalb ebenfalls bei der EU um Hilfe anklopfen. Das Rettungspaket hat einen Umfang von 78 Milliarden Euro.

Seither aber hat sich die Lage deutlich entspannt. Das Defizit wurde 2011 von 9,8 (2010) auf rund vier Prozent zurückgeschraubt. Das war weit besser als das ursprüngliche Ziel von 5,9 Prozent - aber nur, weil der Staat sich von Banken rund sechs Milliarden Euro aus Pensionskassen auszahlen liess.

Die Wirtschaft ist zwar 2011 noch leicht geschrumpft. Die Regierung will aber 2013 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Die Arbeitslosigkeit lag Ende 2011 auf einem Rekord von 14 Prozent. Angesichts der Sparmassnahmen wird sie wohl weiter ansteigen.

Italien

Mit einem Haushaltsdefizit von 5,3 Prozent im Jahr 2009 war die Neuverschuldung in Italien um einen Prozentpunkt geringer als im EU-Durchschnitt. Die Gesamtverschuldung übertrifft aber seit Jahren die gesamtwirtschaftliche Leistung des Landes und war mit rund 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung im Herbst 2011 fast so hoch wie in Griechenland.

Um dem entgegenzuwirken, hat das Land Mitte 2011 zwei Sparpakete im Volumen von zusammen mehr als 100 Milliarden Euro verabschiedet. Allen Sparanstrengungen zum Trotz fällt die internationale Bewertung der Lage aber bislang negativ aus - erst recht nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's im September 2011.

Die Krise war einer der Gründe, warum Silvio Berlusconi im November 2011 sein Amt abgeben musste. Seither probiert eine sogenannte Technokratenregierung  unter Mario Monti das Land aus der Schuldenspirale zu führen. Viele geplante Reformen stossen aber auf den Widerstand der Gewerkschaften.

Die Arbeitslosenquote liegt in Italien bei rund 9 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit nimmt dabei dramatische Züge an: 28,6 Prozent der 15- bis 24-Jährigen waren im März 2011 ohne Job. Mehr als 40 Prozent der unter 25-Jährigen suchen schon länger als ein Jahr eine Beschäftigung.

Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrösste Volkswirtschaft im Euro-Raum.

Spanien

Das in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte Spanien wurde von der Wirtschaftskrise besonders hart erwischt, weil ähnlich wie in den USA eine Immobilienblase platzte. 2009 lag die Neuverschuldung bei 11,2 Prozent. Die Gesamtverschuldung lag mit 53,2 Prozent aber weit unter dem EU-Durchschnitt.

Im Zuge mehrerer Sparprogramme hat die Regierung in Madrid unter anderem Beamtengehälter gekürzt und Renten eingefroren. Zudem wurde eine Schuldenbremse in die Verfassung eingebaut.

Die Regierung musste aber einräumen, dass Spanien 2011 sein Sparziel mit einem Fehlbetrag von 8,5 Prozent weit verfehlt hat und auch 2012 das mit den Euro-Partnern vereinbarte Defizitziel von 4,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts nicht erreichen kann.

Die grosse Schwäche Spaniens besteht darin, dass die Bauwirtschaft, eine der ökonomischen Säulen, weggebrochen ist. Die Arbeitslosigkeit ist mit über 20 Prozent die höchste in der EU. Für 2012 Jahr wird ein Schrumpfen der Wirtschaftskraft um 1,7 Prozent erwartet.

Im Juni 2012 muss auch Spanien unter den Euro-Rettungsschirm. Das Land beantragt offiziell die Hilfe der EU-Partner für seine maroden Banken. (luek/ank, reuters/dpa/sda)

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