US-Wirtschaft schaltet einen Gang zurück
Die Konsumentinnen und Konsumenten in den USA füllen ihre Taschen wieder. (Keystone)
Die US-Konjunktur hat sich im Startquartal 2012 stärker abgeschwächt als erwartet. Von Anfang Januar bis Ende März legte die grösste Volkswirtschaft der Welt - auf das Jahr hochgerechnet - um 2,2 Prozent zu. Das teilte das Handelsministerium am Freitag in einer ersten Schätzung mit.
Experten hatten zumeist einen Zuwachs von 2,5 Prozent erwartet. Damit schlug sich die weltgrösste Volkswirtschaft aber immer noch deutlich besser als die Euro-Zone, der eine Rezession droht.
Im letzten Quartal 2011 hatte die US-Wirtschaft mit einer Zunahme um drei Prozent noch einen starken Schlussspurt hingelegt.
Konsumenten kaufen wieder
Trotz der Abschwächung sprachen viele Experten aber von einer insgesamt positiven Entwicklung: Sie sehen Anzeichen für ein «nachhaltiges Tempo» bei der Konjunkturerholung.
Getragen wurde der Zuwachs vor allem von den Konsumenten, bei denen das Geld wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit wieder lockerer sass: Ihre Konsumausgaben kletterten um 2,9 Prozent und damit so stark wie seit Ende 2010 nicht mehr.
Mehr Autos verkauft
Die Autoverkäufe stiegen so kräftig wie seit vier Jahren nicht mehr, nachdem sich die Amerikaner zuvor wegen der schweren Wirtschaftskrise mit Neuanschaffungen zurückgehalten hatten. Der private Konsum trägt fast 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung.
Dämpfend habe sich dagegen ein Rückgang bei den Regierungsausgaben ausgewirkt. Ausserdem hätten Unternehmen zögerlicher in Ausrüstung und Lagerbestände investiert.
Wachstumsprognose nach oben korrigiert
Insgesamt hatten sich in den vergangenen Tagen die Zeichen für eine weitere, aber mässige Erholung der US-Wirtschaft gemehrt. So hatte die Notenbank am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf einen Wert zwischen 2,4 und 2,9 Prozent angehoben. Zuvor war die Rede von 2,2 bis 2,7 Prozent gewesen.
Auch bei Arbeitslosigkeit erwartet die Fed kurzfristig bessere Werte als bislang angenommen. Auf längere Sicht zeigt sie sich allerdings noch etwas skeptisch.
«Frustrierend» langsame Erholung
US-Notenbankchef Ben Bernanke mahnte jedoch wegen «signifikanter Abwärtsrisiken» weiter zur Vorsicht. Die Erholung nach der Rezession von 2008 und 2009 verlaufe noch immer «frustrierend» langsam.
Insbesondere die Arbeitslosenquote sei mit 8,2 Prozent für amerikanische Verhältnisse viel zu hoch. Bis Ende 2014 will die Fed deshalb an ihrer faktischen Nullzinspolitk festhalten. Auch weitere geldpolitische Massnahmen, um der Konjunktur frisches Leben einzuhauchen, sind nicht vom Tisch. (luek, dpa/reuters)
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