EZB dreht nicht an der Zinsschraube
Der EZB-Sitz in Frankfurt. (Reuters)
Status Quo: Die Europäische Zentralbank (EZB)belässt den Leitzins für die Euro-Zone bei 1,0 Prozent. Auch bei der auswärtigen Sitzung in Barcelona drehte der EZB-Rat nicht an der Zinsschraube. Nach ihrer jüngsten Geldflut sehen die Währungshüter Politik und Banken am Zug. Im Dezember und Februar hatte die EZB den Banken extrem billiges Geld für bis zu drei Jahre angeboten.
Die Institute liehen sich insgesamt gut eine Billion Euro. Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte gemahnt, die Krisenhilfe zu Reformen zu nutzen. Der Italiener brachte zudem die Idee eines Wachstumspaktes auf: «Ein Wachstumspakt kann bedeuten: Wir brauchen eine Fortsetzung der Strukturreformen, unterschiedlich für alle Länder.»
Druck auf EZB gestiegen
Zuletzt hatte es am Finanzmarkt Spekulationen gegeben, Draghi könnte die Möglichkeit einer Zinssenkung für den Fall signalisieren, dass die Krise sich verschärft. Der Druck zu weiteren Schritten der Notenbank war gestiegen - unter anderem aufgrund diverser Forderungen beider Kandidaten im französischen Präsidentschaftswahlkampf, Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und seines Konkurrenten François Hollande.
Angesichts der nach wie vor weit über 2 Prozent liegenden Inflationsrate in der Euro-Zone halten viele Ökonomen eine solche Kehrtwende der EZB aber für unwahrscheinlich.
Keine Schnellschüsse
Draghi erteilte weiteren schnellen Krisenmassnahmen der Notenbank - etwa zur Stützung des Reformkurses in Spanien - eine Absage: Die EZB habe mit ihrer jüngsten Flut extrem billigen Geldes ihren Beitrag zur Entspannung der Märkte geleistet. Dadurch sei eine Kreditklemme verhindert worden.
Es brauche Zeit, bis das Geld in der Wirtschaft ankomme. «Ich glaube, ich kann dem nicht sehr viel mehr hinzufügen», sagte der Italiener. Über eine weitere Senkung des Leitzinses im Euroraum unter das Rekordniveau habe der Rat nicht diskutiert. (fors, sda/reuters)
