Hin und her bei der Milchmarkt-Öffnung
Für Käse ist der Markt bereits geöffnet worden. Sollen auch die übrigen Milchprodukte einfacher exportiert und importiert werden können? Die Geister scheiden sich. (Keystone Archiv)
Von Inlandredaktor Elmar Plozza
Beim Käse herrscht bereits die freie Marktwirtschaft. Seit fünf Jahren kann Käse ungehindert in die Schweiz importiert und die EU exportiert werden.
Das sollte jetzt auch für alle anderen Milchprodukte gelten, fordert der Westschweizer Milchverarbeiter Cremo und hat deshalb im Bundeshaus für eine vollständige Öffnung des Milchmarktes lobbyiert. Das unterstützt prinzipiell auch die Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie.
Öffnung nur bei geeigneten Rahmenbedingungen
Der Dachverband, dem neben Cremo, auch Emmi, Nestlé und Baer angehören, hat gestern einen internen Workshop abgehalten, wie der Geschäftsführer des Verbandes, Lorenz Hirt, erklärt: «Das Fazit ist: Die Schweizerische Milchindustrie unterstützt die sektorielle Öffnung des Milchmarktes - bei geeigneten Rahmenbedingungen für die gesamte Branche.»
Bei Bauernpolitikern wie SVP-Nationalrat Albert Rösti kommt das nicht gut an. Schon jetzt müssten die Bauern darum kämpfen einen anständigen Preis für ihre Milch zu bekommen. Rösti sagt gegenüber Schweizer Radio DRS: «Eine weitere Öffnung des Milchmarktes würde bedeuten, dass die Preise weiter deutlich sinken würden bis auf EU-Niveau.»
Eine Befürchtung, die bei Bauern weit verbreitet ist. Denn Joghurt, Butter und Frischmilch sind heute mit Zöllen vor ausländischer Konkurrenz geschützt.
Verlust von 300 Millionen Franken
Wenn dieser Schutz verschwinden sollte, werde das die Schweizer Milchbauern treffen, warnt CVP-Nationalrat und Landwirt Markus Ritter: «Der Wertschöpfungsverlust für die schweizerische Landwirtschaft beliefe sich auf 300 Millionen Franken.» Diese Zahl sei vom Bundesrat bestätigt. «Dieser Betrag ist natürlich enorm», so Ritter.
Und er zweifelt daran, ob die Politik bereit wäre, den Bauern zusätzliche Direktzahlungen in dieser Höhe zukommen zu lassen.
Die vollständige Öffnung des Milchmarktes könnte den Bauern aber auch Vorteile bringen, sagt Jacques Chavaz, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft: «Schweizerische Milchprodukte haben einen guten Ruf international, aber im Moment können wir nur Käse zollfrei in die EU exportieren.»
Es gäbe also auch für die übrigen Milchprodukte Möglichkeiten betreffend Export. Vor- und Nachteile eines freien Milchmarktes: Die Diskussion geht jetzt richtig los. (basn)
Mehr zu den Stichwörtern:
