Merck Serono muss Sozialplan doch verhandeln
Am Mittwoch traten einige der entlassenen Angestellten von Merck Serono gar in den Hungerstreik. (Keystone)
Bisher hatte Merck Serono es abgelehnt, über den Sozialplan zu verhandeln. Nun muss dies der Pharma-Multi trotzdem tun, weil ihn die Genfer Kammer für kollektive Arbeitsbeziehungen (CRCT) auf Antrag der Genfer Regierung dazu vorgeladen hat.
Keine rechtlichen Kompetenzen
Merck Serono nehme die Vorladung zur Kenntnis, teilte das Unternehmen mit. Die Direktion werde an der für den 3. Juli geplanten Sitzung teilnehmen, um Lösungen für eine Entspannung der Situation zu suchen. Merck Serono hoffe, dass der Dialog zu mehr Verständnis führe, wie der Sozialplan umgesetzt wird.
Dieser sei bereits während der Konsultationsphase verbessert worden, betonte die Führung von Merck Serono. Zudem verwies sie darauf, dass die CRCT rechtlich über keine Kompetenzen verfüge im Bezug auf die Umsetzung von Massenentlassungen.
Die Belegschaft und die Unia begrüssten es, «dass die Genfer Regierung den Weltkonzern Merck Serono an den Verhandlungstisch zwingt», wie die Unia bekannt gab.
Streik vorerst abgebrochen
An einer Personalversammlung wurden rund 400 Mitarbeitende vom Entscheid der CRCT in Kenntnis gesetzt. Dieser hat auch zur Folge, dass das Personal und die Gewerkschaft vorläufig sämtliche Kampfmassnahmen und ihre Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit einstellen müssen. Der Streik wurde daher unterbrochen.
«Das bedeutet aber nicht das Ende der Bewegung, sondern nur eine Pause», sagte ein Unia-Sprecher. Wenn die Direktion von Merck Serono auf ihren Positionen beharre, werde man wieder zu Kampfmassnahmen greifen, warnte er.
Verhandlungen könnten mehrere Wochen dauern
Die Genfer Regierung hatte beschlossen, die CRCT anzurufen, weil sie es für notwendig hielt, den Dialog über den Sozialplan wieder in Gang zu setzen. Laut Mitgliedern der Unia könnte das Schlichtungsverfahren mehrere Wochen dauern.
Am Ende wird die Kammer kein Urteil, sondern eine Empfehlung aussprechen. Das Verfahren dreht sich nur um den Sozialplan, nicht aber um den Stellenabbau an sich. Insgesamt gehen durch die Schliessung des Standortes Genf von Merck Serono rund 1250 Arbeitsplätze verloren. (pet;mz, sda)
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