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Mittwoch, 25.7.2012

Paris stützt Autobauer mit Öko-Zulage

Staatshilfen sollen Frankreichs kriselnden Automobilsektor auf Kurs bringen. Der Plan sieht Zuschüsse beim Kauf abgasarmer Autos vor. Die Gewerkschaften stemmen sich gegen Massenentlassungen.

Hybrid-Diesel-Fahrzeuge von Peugeot sollen staatlich vermehrt gefördert werden. (Archiv Reuters)

Staats-Hilfe für die französische Autoindustrie

Wer in Frankreich ein Elektro- oder Hybridauto kauft, soll mehr Subventionen vom Staat erhalten. Das will die Regierung Hollande. Gleichzeitig meldet PSA Peugeot Citroën 800 Millionen Verlust im ersten Halbjahr. Was kann das Hilfsprogramm bewirken?

Beitrag aus Echo der Zeit vom Mittwoch, 25.7.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Öko-Staatshilfe contra Krise. Mit diesem Motto will Frankreichs Regierung die angeschlagene heimische Autoindustrie wieder auf Erfolgskurs bringen. Frankreich gehe mit seinem präsentierten Rettungsplan in die Offensive, tönte Premierminister Jean-Marc Ayrault.

Die nationale Automobilindustrie werde sich dank öffentlicher Hilfe selbst neu erfinden, jubelte der zuständige Minister Arnaud Montebourg. Der Sektor brauche Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Solidarität, dann sei «die Renaissance des französischen Automobilbaus» gesichert. Es ist die der ersten grossen Bewährungsprobe für die Regierung des neuen Präsidenten François Hollande.

«Regierung verfehlt das Ziel»
Die bittere Realität: Hollande und seine Regierung konnten angesichts von Budgetzwängen und der Kürze der Zeit nach ihrem Amtsantritt kaum den Turbo einschalten. Aus Sicht von Gewerkschaftsfunktionär Jean-Pierre Mercier hat es lediglich für ein zaghaftes Antippen des Gaspedals gereicht. «Die Regierung verfehlt das Ziel!», sagte er im TV-Nachrichtensender BFM.

Statt Entlassungen wie beim kriselnden Marktführer PSA Peugeot Citroën zu verhindern, fördere sie mit dem Geld des Steuerzahlers Unternehmen, die auf vollen Kassen sässen. PSA etwa habe fast 9 Milliarden Bares in seiner Kriegskasse.

Die Regierung sieht das anders - sie verweist auf Gegenleistungen, die sie für ihre zunächst bis Ende 2012 in Aussicht gestellte Hilfe verlangt. Dazu zählen vor allem Standort-Garantien der Hersteller und auch ein Verbot, bei bestehenden Modellen an der Preischraube zu drehen. Kommendes Jahr soll die Hilfe dann noch mal überprüft werden.

Bonus-Malus-System als Antrieb
Ein Bonus-Malus-Systems soll nach dem Plan den Kauf abgasarmer Autos zu Lasten verbrauchsstärkerer Mittelklassewagen mit hohem CO2-Ausstoss begünstigen. Die Staatshilfe zielt nach Medienberichten indirekt auch auf die mit ihren Mittel- und Oberklassewagen erfolgreichen deutschen Autobauer.

Mit Blick auf die verdoppelten Kaufprämien für abgasarme Hybrid-Autos (4000 Euro) ahnte die Zeitung «Le Parisien» bereits: «Um die Unterstützung der grossen (deutschen) Limousinen zu vermeiden, die mehr und mehr diese Technologie nutzen, könnte die Regierung den Grad der Verschmutzung (durch die Abgase) in den Mittelpunkt stellen.»

Wenig Elektroautos verkauft
Frankreichs Regierung hofft mit ihrer Initiative den bisher recht schwachen Absatz der Elektrowagen nachhaltig anzukurbeln, in die französische Unternehmen viel Geld für die Entwicklung gesteckt haben. Denn nach Medienberichten sind diese Wagen bisher alles andere als ein Kassenschlager: im ersten Vierteljahr wurden gerade mal 2200 Elektro- und etwa 10'000 Hybrid-Autos in Frankreich verkauft.

Beim schwer angeschlagenen Marktführer PSA Peugeot Citroën sprach Konzernchef Philippe Varin auf einer Pressekonferenz daher von einer «exzellenten Nachricht» und betonte: «Wenn es Hilfen für Hybridautos gibt, wird es uns natürlich dazu veranlassen, unsere bestehenden Modelle weiter zu entwickeln.»

Mit seinem japanischen Partner Mitsubishi bietet PSA bereits die Modelle Citroën C Zéro und den Peugeot Ion an. «Wir werden bald schon kleine Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb anbieten», kündigte Varin an.

Ein Drittel weniger Angestellte
Die französische Automobilindustrie hat nach Regierungsangaben in den vergangenen zehn Jahren etwa ein Drittel ihrer Beschäftigten verloren, Nach Branchenberichten hat sie heute 246 000 Beschäftigte. «2012 werden lediglich 2 Millionen Fahrzeuge gebaut werden, 2005 waren es gegen 3,5 Millionen», teilte Montebourgs Ministerium in einer Erklärung mit.

Die Gründe? Neben zu hohen Produktionskosten verweisen Analysten etwa im Fall von PSA auch eine zu grosse Abhängigkeit vom stark schrumpfenden europäischen Markt mit dem Einbruch vor allem in den südlichen Euro-Krisenländern. Knapp 60 Prozent der produzierten PSA-Fahrzeuge werden weiter dort verkauft, Konkurrenten wie Volkswagen und Renault liegen deutlich darunter.

Einen weiteren Grund hat Minister Montebourg in unlauterem Wettbewerb aus Fernost ausgemacht: ein Freihandelsabkommen mit Südkorea will er daher von der Europäischen Union «unter Beobachtung» stellen lassen. Vom Abschluss des Freihandelsabkommens mit der EU haben seit den ersten Zollsenkungen Anfang Juli 2011 offensichtlich die koreanischen Exporte überproportional profitiert. (basn, dpa)

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Freitag, 20.7.2012

Peugeot verteidigt Abbaupläne

Peugeot Citroën PSA reagiert befremdet auf die Grundsatzkritik der Regierung Hollande an den Abbau- und Restrukturierungsplänen des Autokonzerns. Die Vorwürfe schadeten der Firma, stellt Verwaltungsratspräsident Thierry Peugeot fest.  Mehr


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