US-Notenbank beflügelt die Märkte
Händler verfolgen die Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke. (Reuters))
US-Notenbankchef Ben Bernanke bläst zum Frontalangriff auf die Arbeitslosigkeit in Amerika. Die US-Notenbank will so lange Milliarden in die US-Wirtschaft pumpen, bis sich der Jobmarkt endlich erholt hat. Und sie will bis 2015 an der Nullzinspolitik festhalten.
Positiv reagiert die Schweizer Börse. Der SMI stieg in den ersten Handelsminuten um 0,7 Prozent. Mit 6581 Zählern hatte der SMI kurzzeitig sogar ein neues Jahreshoch verzeichnet. Auch die Titel der beiden Grossbanken Credit Suise und UBS legten zu.
Auch der deutsche Leitindex DAX gewann in den ersten Minuten und notierte so hoch wie seit Juli 2011 nicht mehr.
Wie bereits am Donnerstagabend an der Wall Street, zeigten sich auch die Anleger in Fernost risikofreudiger. Der Nikkei-Index schloss auf dem höchsten Stand seit drei Wochen.
USA will Arbeitslosigkeit bekämpfen
Die amerikanische Notenbank (Fed) pumpt im Kampf gegen die hohe US-Arbeitslosigkeit weitere Milliarden in die Wirtschaft. Die dritte geldpolitische Lockerung innerhalb von knapp vier Jahren solle verhindern, dass die US-Konjunktur stagniere, sagte der Fed-Chef Ben Bernanke in Washington.
Unter anderem will die Zentralbank 40 Milliarden Dollar monatlich in Hypothekenpapiere investieren - und zwar so lange, bis sich der Jobmarkt nachhaltig erholt hat. Zudem will sie bis Mitte 2015 an ihrer faktischen Nullzinspolitik festhalten.
Banken profitieren
Das von der Federal Reserve zusätzlich bereitgestellte Geld kommt laut Experten vor allen den Banken zu Gute. Sie können dadurch mehr Kredite zu günstigeren Zinsen vergeben und so die Konjunktur ankurbeln. Ökonomen sprechen von einem neuen Kapitel im Kampf gegen die anhaltende Wirtschaftsflaute in der weltgrössten Volkswirtschaft.
Bernanke mahnte allerdings, dass seine Institution nicht über Wunderwaffen verfüge. Vor allem die Politik müsse gegen die Schwäche auf dem Arbeitsmarkt angehen. «Wir versprechen nicht, alle Probleme zu lösen», sagte er. «Aber wir können sie dabei unterstützen.»
Geringeres Wachstum als erwartet
Die Fed senkte zudem ihre Wirtschaftsprognose für die USA. Sie rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 1,7 bis 2,0 Prozent. Frühere Schätzungen gingen von 1,9 bis 2,4 Prozent aus. Für 2013 und 2014 erhöhte sie ihren Ausblick dagegen.
Ferner erwartet die Notenbank nicht, dass die US-Arbeitslosenquote in diesem Jahr unter acht Prozent fallen wird. Sie liegt bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren über diesem historisch hohen Wert. Erst nach 2014 könnte sie unter sieben Prozent fallen, hiess es weiter.
Expansive Geldpolitik – auch bei Besserung
Die Finanzmärkte überraschte die Fed mit der Aussage, ihre expansive Geldpolitik auch nach einer Verbesserung der Konjunkturlage fortsetzen zu wollen. Die expansive Geldpolitik werde «nicht übereilt» gestrafft, sagte Bernanke.
Ausdrücklich rief er die US-Politiker auf, die bevorstehenden Haushaltsprobleme zu lösen. Zum Jahreswechsel stehen in den USA automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen an, die der Wirtschaft sehr schaden könnten, wenn der Kongress sie nicht rechtzeitig stoppt. Auch die neuen Fed-Massnahmen könnten den Effekt eines solchen «haushaltspolitischen Schocks» nicht ausgleichen, meinte Bernanke.
Die dritte Intervention
Die Fed hatte in der seit fünf Jahren anhaltenden durchwachsenen Wirtschaftslage bereits zwei Mal die Märkte mit billigem Geld geflutet. Ende 2008 begann sie mit dem Erwerb von langlaufenden Staatsanleihen, Schuldverschreibungen und Hypothekenpapieren von mehr als 1,7 Billionen Dollar.
Im November startete sie eine zweite Runde mit Anleihekäufen für rund 600 Milliarden Dollar. Zudem geht die Notenbank noch bis Jahresende mit der «Operation Twist» gegen die schwache Konjunktur vor. Sie tauscht dabei kurzfristig fällige Anleihen gegen langlaufende Papiere, um auch langfristige Zinsen zu drücken. (basn;luek, dpa)
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