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Donnerstag, 21.6.2012

Schwarz-Peter-Spiel um Krebsmedikamente

In der reichen Schweiz schwinden die Vorräte wichtiger Krebsmedikamente, vor allem bei Generika kommt es zu Engpässen. Bereits müssen Behandlungen verschoben werden. Pharmamultis, Spitäler und Politik schieben sich den Schwarzen Peter zu. Kurzfristig sind keine Lösungen in Sicht.

Engpässe bei lebenswichtigen Medikamenten. (Keystone)

Von Inlandredaktor Rafael von Matt

Wichtige Krebsmedikamente sind in einigen Schweizer Spitälern zur Mangelware geworden. Deshalb warnt Jakob Passweg, Präsident der Krebsliga und Arzt am Universitätsspital Basel, gegenüber Schweizer Radio DRS: «Das ist der Anfang eines Problems, das zu einem grossen Problem werden kann, wenn es so weiter geht».

Bereits jetzt sei die Situation für manche Patienten sehr unangenehm: «Das führt dazu, dass manche Behandlungen verzögert werden müssen», so Passweg. Betroffen sind vor allem Generika, also Nachahmerprodukte, die nicht patentgeschützt sind.

Wer ist verantwortlich?
Aus wirtschaftlichen Überlegungen haben die Pharmafirmen die Produktion von Krebs-Generika gestrafft. Das bestätigt der Sprecher der Pharmaindustrie, Roland Schlumpf, gegenüber Schweizer Radio DRS: Ein Medikament werde nur noch ein- oder zweimal im Jahr produziert, «die Lagerhaltung ist nicht mehr so grosszügig» und so gäbe es längere Lieferzeiten. «Ich denke, dass viele Spitäler sich auf das noch nicht richtig eingestellt haben.»

Am Anfang der Engpässe stehen aber die Hersteller. Da spielt auch eine Rolle, dass etwa Sandoz in den vergangenen Monaten eine Fabrik umgebaut und deshalb viel weniger produziert hat.

Situation entspannt sich langsam
Inzwischen sehe es besser aus, beruhigt Branchensprecher Schlumpf: «Wir haben Informationen, dass sich die Situation in den letzten zwei, drei Wochen wesentlich entschärft hat.»

Ausserdem gebe es für fast alle Krebsmedikamente Alternativen. Auch sei bisher kein Patient wegen eines Medikamenten-Engpasses gestorben.

Suche nach Lösungen läuft
Trotz Entspannung der Situation: Das Gezerre zwischen Pharmaindustrie, Bund und Spitälern um Medikamentenpreise und Medikamentenlieferungen macht dem Präsidenten der Krebsliga Sorgen. «Es darf auf jeden Fall nicht auf dem Buckel der Patienten ausgetragen werden», so Passweg.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat das Problem erkannt, die Suche nach Lösungen läuft. Ein Vorschlag, der derzeit diskutiert wird: Kleinere Spitäler könnten ein gemeinsames Medikamentenlager führen und so flexibler auf Engpässe bei bestimmten Medikamenten reagieren. (daua;ank)

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