Hörpunkt: Luft von anderen Planeten
Nicht, dass vor lauter schrägen Tönen allen gleich die Haare zu Berge stehen sollen - aber immerhin: ein Schauder dem unerhört Neuen gegenüber soll durchaus erneut zu spüren sein.
Die Komponisten und Musikerinnen des 20. Jahrhunderts schufen ihre Werke nicht im luftleeren Raum. Sie waren, wie George Gershwins «American in Paris», umgeben von Autohupen und Motorenlärm, hörten Musik von Jazz bis Operette, von Swing bis Pop, Rock und Punk, sie lasen die Bücher ihrer Zeitgenossen, sahen Filme, hörten Radio, sahen fern, reisten weit usw.
Nicht zu vergessen die Umwälzungen, die das Jahrhundert prägten: Die beiden Weltkriege, das atomare Wettrüsten, Umweltkatastrophen, sowie technisch-industrielle Neuerungen wie z.B. die Raumfahrt.
«Ich fühle Luft von anderem Planeten» - in seinem 2. Streichquartett von 1907/08 vertont Arnold Schönberg einen prophetischen Vers. Tatsächlich weht in der Musik ein anderer Wind als je zuvor: Im 20. Jahrhundert jagen sich musikalische Innovationen und Revolutionen.
Nicht nur die E-Musik verändert ihr Gesicht fast mit jedem Jahrzehnt, sondern auch der Jazz. Die Unterhaltungsmusik hat ebenfalls immer wieder Neues bereit. Schallplatte, Tonband und CD, Radio und Fernsehen überraschen mit der Musik fremder Völker und Kulturen - die Lüfte von anderen Planeten wehen durch die Musik der Alten Welt.
Die Wiederholung des Hörpunkts «Luft von anderen Planeten» vom 2. Februar 2010 führt im Schnellflug durch das 20. Jahrhundert: mit den Musikredaktorinnen und -Redaktoren von DRS 2, mit O-Tönen von Komponisten und mit Studiogästen: Die Dirigentin Graziella Contratto, die Komponisten Daniel Fueter und Christoph Baumann werden aus ihrer Sicht all die verschiedenen, vielfältigen Musiken des 20. Jahrhunderts kommentieren.
Andreas Müller-Crepon
