(Keystone)
Warum Gesundheit immer teurer wird
Die Gesundheitskosten sind in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. 2010 ist die Kurve aber leicht abgeflacht. Die Kosten stiegen noch um 2,5 Prozent. Damit lag das Wachstum deutlich unter dem Mittel der letzten fünf Jahre von 3,7 Prozent.
Dennoch sind die Gesundheitskosten mit insgesamt 62,5 Milliarden Franken enorm hoch. Sie hatten 2004 die 50-Milliarden-Grenze überschritten und lagen 2009 bei 61 Milliarden Franken.
Die Gründe für die steigenden Kosten werden je nach politischer Ausrichtung anders gewichtet. Die Diskussion um Gegenmassnahmen ist hitzig. Denn wenn gespart werden muss, wird zwangsläufig jemand verlieren.
Eine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
| Die Bevölkerung wächst |
| In der Schweiz wächst die Bevölkerung. Somit steigt auch die Zahl jener, die das Gesundheitswesen beanspruchen. |
| Die Menschen werden älter |
| Die Menschen in der Schweiz werden älter. Alte Menschen haben ein grösseres Bedürfnis nach medizinischer Versorgung und Pflegeleistungen. In den letzten Lebensjahren steigen die Gesundheitskosten exponentiell. |
| Ungesundes Leben |
| Übergewicht, Rauchen und wenig Bewegung wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Dennoch sind diese Probleme in unserer Gesellschaft weit verbreitet. |
| Das Angebot wird grösser |
| Mehr Ärzte, neue und häufig teure Behandlungsmethoden und Medikamente: Das Angebot im Gesundheitswesen wächst. Entsprechend werden heute Leiden behandelt, die früher nicht hätten behandelt werden können. Dabei werden die Behandlungsmethoden immer technischer und spezialisierter und damit auch teurer. |
| Jeder ist sich selbst der Nächste |
| Jeder will im Krankheitsfall die beste Behandlung. Die Kosten werden dabei nicht in Betracht gezogen, niemand will bei sich selber oder bei seinen Verwandten mit dem Sparen beginnen. Das System setzt falsche Anreize, denn sobald der Selbstbehalt bei der Krankenversicherung ausgeschöpft ist, bezahlt die Allgemeinheit. |
| Medikamentenverkauf durch Ärzte |
| Die Einkommen der Ärzte sind je nach Spezialisierung sehr unterschiedlich. Am unteren Ende der Skala liegen beispielweise die Hausärzte. In einigen Kantonen können sie jedoch Medikamente direkt an Patienten abgeben und verdienen an deren Verkauf mit. |
| Sparer werden bestraft |
| Ärzte verdienen an langen Behandlungen mehr als an kurzen und effizienten. Wenn ein Arzt eine teure Behandlung ablehnt, können die Patienten einfach zu einem anderen Arzt wechseln. Die Diskussion darüber, ob eine Behandlung – zum Beispiel eine Operation – Sinn macht, ist tabuisiert. |
| Das Angebot der Versicherungen |
| Im harten Konkurrenzkampf um Kunden bieten die Versicherer in den Zusatzversicherungen immer mehr Leistungen an, die dann auch in Anspruch genommen werden. |
| Die starke Pharmaindustrie |
| Die Pharmaindustrie profitiert von hohen Preisen. Sie kann ihre Anliegen im Parlament gut vertreten. In der Schweiz sind Medikamente oft teurer als im Ausland, trotzdem sind Parallelimporte, die die Preise drücken könnten verboten. Die Aufhebung des Parallelimportverbots für Medikamente hat das Parlament im Dezember 2008 abgeblockt. Ausserdem werden laufend neue Produkte hergestellt, welche zu einer zusätzlichen Nachfrage führen. |
| Zu lange Spitalaufenthalte |
| Gemäss Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegen Schweizerinnen und Schweizer zwei bis drei Tage länger im Spital als Patienten in anderen Industriestaaten. Spitalbetreiber hatten bisher wenig Interesse daran, die Dauer zu verkürzen, da sie so auch weniger verdienten. Dem soll die seit Januar 2012 geltende neue Spitalfinanzierung mit den Fallpauschalen entgegenwirken. Sie verspricht mehr Transparenz und mehr Wettbewerb. |
| Zu viele Spitalbetten |
| In der Schweiz bestehen Überkapazitäten an Spitälern, die alle eine möglichst gute Versorgung anbieten wollen. Spitalschliessungen sind für Gesundheitsdirektoren aber unpopulär, vor allem wenn sie wiedergewählt werden wollen. Die politische Diskussion über Zentren der Spitzenmedizin wird hitzig geführt. |
| Die Kantone schauen für sich |
| Auch im Gesundheitswesen herrscht Föderalismus. Anstatt gemeinsam zu planen, sind die Kantone daran interessiert, als Standort eine möglichst umfassende medizinische Versorgung anzubieten. |
| Die Politik kommt nicht voran |
| Im Parlament blockieren sich die Akteure im Gesundheitsweisen gegenseitig. Dabei haben die Interessensvertreter der Pharmabranche, der Krankenkassen, der Kantone, der Ärzte und der Patienten die Möglichkeit, Reformen zu verunmöglichen. Sie alle haben entweder eine starke wirtschaftliche, politische oder eine grosse Referendumsmacht im Rücken. |
(luek)
