Neue Versuche mit der Wärme aus dem Erdinnern
Ekundungsbohrung in Zürich. (Archiv Keystone)
Von Inlandredaktorin Karoline Arn
Geschüttelt hat es 2006 in Basel, als man 4000 Meter tief bohrte, um Wärme und Strom zu produzieren. Es wurde nicht - wie momentan in St. Gallen oder Zürich geplant - nach heissem Wasser gebohrt, sondern viel tiefer in den 1000 Grad heissen Granit. Anschliessend wurde Wasser in den Stein gepumpt, um ihn aufzusprengen, damit sich das Wasser ausbreiten konnte. Mit einer zweiten Bohrung sollte das heisse Wasser wieder nach oben geholt werden.
Doch soweit kam es nicht. Die Erde bebte immer stärker, das Experiment wurde abgebrochen. Bis heute brüteten die Wissenschaftler nun über den Daten, rechneten sie ein- zwei und dreidimensional durch.
«Wir fangen von vorne an»
Peter Meier, Chef von Geo-Energie Suisse, sieht die Zeit für eine neuen Versuch gekommen: «Wir haben jetzt gesagt: Wir fangen wieder an, wir fangen von vorne an. Aber wir wollen natürlich von diesen Erfahrungen, von diesen Daten profitieren.» sagte Meier gegenüber Schweizer Radio DRS.
Bei der Basler Bohrung wurde bolzengerade hinuntergebohrt, zuunterst aus einer einzigen Öffnung mit möglichst viel Druck möglichst viel Wasser in den Stein gepumpt. So hätten sich grosse unterirdische Wasserblasen gebildet - was die Erde nicht goutierte und deshalb rumorte.
Modell aus USA dient als Vorlage
Ingenieur Peter Meier will künftig eine Gasbohrung nach amerikanischem Muster anwenden. Dabei sollen die Bohrlinien wie Baumwurzeln durch den Untergrund gezogen werden, nicht gerade, sondern gekrümmt. Das Wasser wird dann nicht wie bei einem Gartenschlauch nur am Ende herausspritzen, sondern aus vielen Löchern in regelmässigen Abständen - wie bei einem Rasensprenger.
«Unsere Idee ist, dass wir diese Stimulation auf eine kleine Fläche begrenzen und grössere Erschütterungen nicht mehr auftreten können», so Meier weiter.
Erdbebenvorhersage zwingend nötig
Auch bei dieser Vorgehensweise brauche es zur Sicherheit - wie eine Wettervorhersage - eine Erdbebenvorhersage. Die ETH hat mit den Basler Daten ein solches System erfunden. Bei Erdbebengefahr kann nun der Wasserzufluss gestoppt oder die Bohrung unterbrochen werden.
40 geeignte Standorte gefunden
Mit neuer Bohrtechnik und der Erdbebenvorhersage geht Geothermie Suisse, die Schweizerische Vereinigung für Geothermie, nun auf Standortsuche: 130 wurden angeschaut, 40 als geeignet befunden. Alle befinden sich im Mittelland oder Jura, alle nicht in städtischen Gebieten. In den nächsten Monaten wolle man bei drei Standorte mit den Bewilligungsverfahren beginnen.
Laut Peter Meier sind in Zukunft auch Bohrungen in städtischen Gebieten möglich: «Wir wollen am Schluss ja auch wieder in die städtischen Gebiete gehen können. Wir wollen nachweisen, dass das funktioniert».
Was fehlt, ist Geld
Die Mitglieder von Geothermie Suisse haben ihre Kredite teilweise bereits erhöht, zum Beispiel die Elektra Baselland. Eine Investition in die Zukunft, sagte deren Chef Urs Steiner, da Geothermie Tag und Nacht gleichmässig Strom liefern könnte.
Doch Geoenergie Suisse kann die benötigten 60 Millionen Franken nicht alleine zusammenbringen. Meier hofft auch auf Bundesgelder, da das Parlament einen entsprechenden Vorstoss bereits gutgeheissen hat. (mz;pet)
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