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Montag, 11.6.2012

Jahrelanger Einsatz an vorderster Front

Bei der grössten Hilfsorganisation der Welt geht bald eine Ära zu Ende. Nach über zwölf Jahren an der Spitze des IKRK tritt Jakob Kellenberger zurück. Der 67-Jährige schaut im «Tagesgespräch» auf seine Arbeit in den Konfliktgebieten zurück und gibt Einblick in schwierige Verhandlungen.

Gab dem IKRK ein Gesicht: Jakob Kellenberger. (Keystone)

Jakob Kellenberger, IKRK-Präsident

Tagesgespräch vom Montag, 11.6.2012, 13.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Jakob Kellenberger steht dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seit zwölfeinhalb Jahren vor. Ende Juni gibt er sein Amt an den EDA-Staatssekretär Peter Maurer ab. Doch noch ist Kellenberger Präsident. Und noch orientiert er sich an den Werten und Prinzipien der Hilfsorganisation wie Unabhängigkeit und Unparteilichkeit.

«Die Kernaufgabe bleibt»
Der Appenzeller hat bei dem ältesten international tätigen humanitären Werk seine Spuren hinterlassen: «Ich glaube schon, dass ich einen wichtigen Beitrag geleistet habe zur Stärkung des IKRK und zu seiner grösseren Ausstrahlung», so Kellenberger gegenüber Schweizer Radio DRS.

Die Organisation ist unter Kellenberger stark gewachsen, sie erfüllt mehr Tätigkeiten, ist an mehr Orten präsent, verfügt heute über eine grössere Reputation als Anfang des neuen Jahrtausends.

Doch Kellenberger relativiert die Veränderungen sogleich: «Die Kernaufgabe der Institution ist dieselbe geblieben». Im Zentrum stehe nach wie vor die Bemühung, die Menschen zu schützen, die von Krieg betroffen seien und ihnen zu helfen. «Was sich allerdings verändert hat, ist das Umfeld», so der Präsident, «die Art der Kriege und auch die Art der Akteure in den Kriegen.» Und vor allem die unbefriedigende Anwendung des Völkerrechts im Krieg.

Von Beginn an vor Ort
Kellenberger legte von Anfang an Wert darauf, persönlich in Konfliktgebiete zu reisen, um sich selbst ein Bild machen zu können. «Als ich zum IKRK kam sagte ich, ich gehe überall dort hin, wo unsere Leute arbeiten. Ich denke, dieses Versprechen habe ich gehalten.»

«Meines Erachtens ist es wichtig, sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können», so Kellenberger. Ausserdem habe er immer das Bedürfnis gehabt, die Sicherheitssituation seiner Mitarbeitenden zu kennen. Ein weiterer Grund, der für die Anwesenheit des IKRK-Präsidenten vor Ort spreche, sei die Glaubwürdigkeit: Wenn man Regierungen Empfehlungen aus grosser, sicherer Distanz vom Konferenztisch aus gebe, sei die Glaubwürdigkeit «mittelprächtig».

«Ich bin verantwortlich für das Ergebnis»
Als Präsident müsse alles dem Ziel untergeordnet werden, möglichst viele Menschen zu schützen und möglichst vielen zu helfen, macht Kellenberger in der ihm eigenen, unaufgeregten Art klar. «Auf dem Posten braucht es Disziplin, auch in Bezug auf die eigenen Gefühle.» Und über diese will er nicht sprechen.

In den unzähligen Verhandlungen, die er geführt habe, sei es jeweils um die Sache gegangen. «Es ist sehr hilfreich, wenn man sehr direkt ist, wenn man sehr transparent ist und wenn man die Konfrontation nicht scheut.»

Ausserdem sollte man die Perspektive des Gegenübers verstehen, was nicht heisse, damit einverstanden zu sein. «Das ist eine Form von Respekt.» Die Missionarsmentalität dagegen sei nicht nützlich.

Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick
«Meine erste Verhandlung, die ich im IKRK geführt habe, war im März 2000 mit dem russischen Präsidenten Putin über den Zugang zu den Gefangenen im Zusammenhang mit dem Tschetschenienkrieg.» Sie sei erfolgreich verlaufen.

«Meine letzte Verhandlung war über den Zugang im syrischen Gefängnis in Aleppo.» Auch diese sei gelungen. Noch immer ganz IKRK-Präsident, lässt sich Kellenberger nicht mehr Details entlocken. (daua;ank)

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Freitag, 8.6.2012

«Die medizinische Mission wird nicht respektiert»

Zwölf Jahre lang stand der Appenzeller Jakob Kellenberger als Präsident an der Spitze des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, der ältesten Hilfsorganisation der Neuzeit. Ende Monat gibt er sein Amt ab. Eine Bilanz - und ein Blick nach vorn.   Mehr


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