Porträt: Mohammed al-Baradei
Der 69-jährige Mohammed al-Baradei ist ein arabischer Oppositioneller nach westlichem Geschmack. Der Karrierediplomat ist weltgewandt. Er hat als Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versucht, im Konflikt mit Iran Neutralität zu bewahren. Der ägyptische Muslim lebt seinen Glauben auf moderate Art und hat sich von den oppositionellen Muslimbrüdern, die eine Zeitlang seine Nähe suchten, nie vereinnahmen lassen.
Al-Baradei, der in Ägypten und den USA Jura studierte, begann seine Karriere 1964 im Aussenministerium in Kairo. Später wurde er an die ägyptischen Vertretungen bei den Vereinten Nationen in New York und Genf geschickt.
Wechsel nach Wien
1984 wechselte al-Baradei nach Wien zur IAEA. Als er 1997 schliesslich zum Generaldirektor der Organisation ernannt wurde, war die ägyptische Regierung gar nicht glücklich darüber - sie hätte lieber einen anderen ägyptischen Diplomaten auf diesem Posten gesehen.
Auch der Friedensnobelpreis, der ihm 2005 zugesprochen wurde, erfreute die Funktionäre in Kairo nicht. Denn al-Baradei hatte schon damals eine distanzierte Haltung zur ägyptischen Regierung.
Vier Monate nach seiner Pensionierung kehrte al-Baradei im Februar 2010 nach Kairo zurück, wo ihn linke und liberale Oppositionelle als neuen Hoffnungsträger und potenziellen Präsidentschaftskandidaten empfingen. Der pensionierte Diplomat liess sich von dieser Welle der Begeisterung zunächst davontragen.
Ernüchterung über die Verhältnisse in seiner Heimat
Doch schon bald stellte er ernüchtert fest, dass sich die ägyptische Regierung von seinen Reformvorschlägen nicht beeindrucken liess und dass die Schlagkraft der Opposition sehr gering war, weil sich die einzelnen Gruppen nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnten.
Als die staatlichen Medien dann auch noch eine Kampagne gegen seine Familie begannen, zog er sich weitgehend aus dem politischen Geschäft zurück und verbrachte wieder viel Zeit in Wien. Im Januar 2011 kehrte al-Baradei unter dem Jubel der Demonstranten nach Kairo zurück und beteiligte sich an den Demonstrationen gegen das Regime Mubarak.
Im März 2011 erklärte er in einem Interview des ägyptischen Fernsehens seine grundsätzliche Bereitschaft, als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Aus Enttäuschung über die Politik des Militärs zog er sich Anfang Januar 2012 aber wieder zurück. Er beklagte, die Generäle hätten mit der Politik der Mubarak-Ära nicht gebrochen, sondern arbeiteten auf eine Fortsetzung des alten Systems mit neuen Gesichtern hin.
Neue Partei gegründet
Ende April kündigte al-Baradei die Gründung einer neuen Partei an. Damit wolle er die Einheit der Ägypter wiederherstellen und die Ziele der Revolution durchsetzen, sagte der 69-Jährige bei der Gründung vor Hunderten Anhängern in Kairo. Er hoffe, seine Partei werde einmal fünf Millionen Mitglieder haben, auch Ägypter, die im Ausland leben. (ank, dpa)
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